Bioelektronik

Woman with computer chip implant in hand

Aktuelle Entwicklungen in der Elektronik, bei Sensoren und Werkstoffen machen es möglich, dass elektronische Geräte direkter mit dem menschlichen Körper verbunden werden können als bisher. In der Medizin vermögen solche Chips und Sensoren Nerven zu stimulieren oder Signale zu erfassen. Es gibt auch bereits erste Anwendungen der Bioelektronik zu spielerischen Zwecken oder zur Steigerung der Leistungsfähigkeit (Human Enhancement). Als reine Speichermedien ermöglichen implantierte Chips die Identifikation von Personen, beispielsweise für die Zutrittskontrolle.

Inhalte der Studie

In der interdisziplinären TA-Studie sollen Chancen und Risiken der Bioelektronik abgeschätzt werden. Dabei sind sowohl interaktive Systeme als auch solche, die nur zur Identifikation des Trägers bzw. der Trägerin dienen, zu berücksichtigen. Es soll aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten es schon gibt, an welchen geforscht wird und welche künftigen Einsatzbereiche bei Mensch und Tier absehbar sind. Von Interesse sind insbesondere Aspekte, die kontrovers sind und auch in der Schweiz einen weiten Kreis von Personen betreffen können. Etablierte Methoden für therapeutische Zwecke können zur Illustration des technisch Machbaren verwendet werden, gehören aber nicht zum Untersuchungsgegenstand der Studie. Aufgrund der raschen technischen Entwicklung bei Werkstoffen und Sensoren und wegen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz sind die Erwartungen an die Bioelektronik hoch. Hier soll die Studie einen Überblick schaffen, welchen Nutzen diese Technologien tatsächlich bringen können und welche Risiken mit deren Anwendung verbunden sind. Dabei sind insbesondere auch Angebote zu berücksichtigen, die direkt an Konsumentinnen und Konsumenten gerichtet sind. Unter den Begriff «Bioelektronik» fallen auch Geräte, die sowohl elektronische als auch biologische Komponenten enthalten (z.B. Biosensoren). Sofern diese nicht mit einem Organismus interagieren, gehören sie nicht zum Untersuchungsgegenstand der Studie.

Gesellschaftliche Fragen betreffen dabei unter anderem mögliche Anwendungen zum Zweck des Human Enhancements. Weiter interessiert die Frage, wie die von neurotechnologischen Systemen erzeugten Daten verwendet werden – insbesondere dann, wenn diese von Firmen mit anderen Daten kombiniert und kommerziell verwertet werden. Im rechtlichen Kontext ist generell zu prüfen, wo in der Schweiz Handlungsbedarf besteht, zum Beispiel bei der Haftpflicht und angesichts der sensiblen Daten beim Datenschutz. Zudem ist darzulegen, welche Fragen aus ethischer Sicht wichtig sind. Ein Problem stellt unter anderem der Verlust der Autonomie und der unklaren Verantwortlichkeit («hybrid agency») dar, wenn der Mensch in direktem Austausch mit elektronischen Systemen steht. Abschliessend soll die TA-Studie eine Gesamtbeurteilung vornehmen. Daraus sollen Schlussfolgerungen gezogen und wenn möglich Empfehlungen zum Umgang mit Bioelektronik formuliert werden. Die Empfehlungen richten sich an Entscheidungstragende, insbesondere an Politikerinnen und Politiker.

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Kontakt

Adrian Rüegsegger, TA-SWISS
adrian.rueegsegger@ta-swiss.ch