NTA10 «Kultur und Digitalisierung»

14.-16. November 2022, Bern

Street view in Bern city

Verlängerung des Call for Papers: Eingabefrist Freitag, 13. Mai 2022

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Die Digitalisierung mit ihren vielfältigen Ebenen wirkt sich als umfassender Transformationsprozess in der Gesellschaft aus und greift in alle Lebensbereiche ein – betroffen ist somit auch die Kultur. «Kultur»  ist dabei als Sammelbegriff zu verstehen: Dieser umfasst sowohl Orte, Akteurinnen und Akteure, kulturelle Formate und Ausdrucksformen als auch Vermittlungsinstanzen.

Dieser Wechsel in die virtuelle Welt wirft vielfältige Fragen für Gesellschaft, Demokratie und Staat auf. Wie verändert Digitalisierung Kultur im Sinne der Aneignungsweisen von «Welt»? Und nicht zuletzt für die Kultur selbst: Wie verändert Digitalisierung die «Wesenhaftigkeit» kultureller Ausdrucksformen und unser Verständnis davon, was «Kultur» ist? Wie verändert sich die Beziehung zwischen Künstlerinnen und Künstlern und ihrem Publikum? Welche Teilhabechancen und welche  Teilhaberisiken ergeben sich? Was bedeutet digitaler Wandel für die Auseinandersetzung des Publikums durch das Prisma der Kultur mit der Welt und somit auch für die Reflexion des Selbst? Wie wirkt es sich aus, dass zunehmend kommerzielle Plattformen als Vermittlungsinstanzen  auftreten, sowohl für Kultur in ihrer Vielfalt als auch für Kunstschaffende? Wie verändern sich Orte kulturellen Schaffens oder der Bewahrung immaterieller und materieller Güter? Wie tangieren diese Entwicklungen die staatliche Förderung von Kultur? Zeigen sich diesbezüglich Unterschiede zwischen den Strategien in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Diese und weitere Fragen werden vom  14.-16. November 2022 im Rahmen der 10. NTA-Tagung in Bern diskutiert.

Möchten Sie weitere Informationen über die NTA10-Konferenz erhalten, dann tragen Sie sich in den Verteiler ein.

Call for Papers

Gestreamt, gelikt, flüchtig – schöne neue Kulturwelt?

Call for papers: NTA10 / 14.-16. November 2022 «Kultur und Digitalisierung»

Verlängerte Eingabefrist: Freitag, 13. Mai 2022

«Kultur» zeigt sich als vielschichtiges Konstrukt. Sie ist zum einen Ausdruck der umfassenden Aneignung und Gestaltung menschlicher Existenz, ihren Werten, Handlungen, Symbolen, Institutionen. Sie zeigt sich zum anderen – enger gefasst – als Subsystem der Gesellschaft, als Feld von Kunst, Bildung, Wissenschaft.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich die herausragende Bedeutung der Digitalisierung für Kultur und die Notwendigkeit ihrer Reflexion, denn: Digitaler Wandel wirkt sich als breiter Transformationsprozess in der Gesellschaft aus und greift in alle Lebensbereiche ein. Technologisch betrachtet erfasst Digitalisierung Prozesse, speichert und setzt Informationen in maschinenlesbare Daten um, die sie in einem weiteren Schritt in vielfältiger Weise verarbeitet, übermittelt, kombiniert, speichert und sie in neuer Form in das Alltagsleben einspeist. Auf gesellschaftlicher Ebene entfalten technologische Entwicklungen ihre Wirkung mit und durch Menschen: Sie entwickeln und gestalten digitale Technologien, wenden sie in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen an. Sie reflektieren ihre Anwendung - im Idealfall - konstruktiv-kritisch in und mit der Gesellschaft.

In dieser nüchternen Betrachtung deutet sich der Spannungsbogen von «Kultur und Digitalisierung» an. Erstens verändern sich Kommunikation und soziale Beziehungen, soziale Praktiken, Arbeits- und Lebenswelten auf gesellschaftlicher Ebene. Digitale Technologien ermöglichen neue Zugänge, neue Werke und Kreativität, ausgedehnte Möglichkeiten von Teilhabe, und sie schliessen gleichzeitig auch aus. Sie stellen Fragen nach unserer Wahrnehmung von Wirklichkeit, nach der Gestaltung sozialer Interaktion, nach menschlicher Identität und ihren Ausdrucksformen. Es stellen sich grundlegende Fragen nach dem Verhältnis zwischen analoger und digitaler Welt.

Zweitens sind Kunst und Kultur, Bildung, Wissenschaft und Technik selbst Orte und Schauplätze gesellschaftlicher Auseinandersetzung, indem sie Phänomene der Digitalisierung durch ihre je eigenen Ausdrucksweisen aufgreifen, öffentlich reflektieren und so der Gesellschaft «einen Spiegel vorhalten», wie z. B. die Bespiegelung des Ich in der «Selfie-Kultur». Sie erfüllen wichtige demokratische Funktionen, indem sie zum Beispiel zum gesellschaftlichen «Agenda-Setting» beitragen.

Drittens gestalten digitale Prozesse, ihre Akteure und Funktionsweisen Bildung, Wissenschaft, Kultur und wirken auf sie ein. Technische Möglichkeiten verändern künstlerisches Schaffen und kreieren andere, neue, zusätzliche Formen intellektueller Auseinandersetzung. Digitales Schaffen fordert das Verständnis von Kunst und Kultur heraus, wenn «digitale Kunst» durch oder mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) entsteht, ergänzt, fortgeschrieben wird. Digitale Entwicklungen gehen darüber hinaus Hand in Hand mit weitreichenden ökonomischen Veränderungen: «Non-fungible Tokens» (NFTs) lassen virtuelle Märkte entstehen, Tätigkeiten und Berufsbilder ermöglichen neue Einkommensquellen, andere werden weniger nachgefragt. Neue Akteure - Stichwort Plattformökonomie - erleichtern den Zugriff auf das Künstlerische, auf Urheber- und Eigentumsrechte, stellen manche künstlerische Existenz in Frage, fordern diese heraus: Wie überleben Nischenfertigkeiten und Einzigartigkeit auf nachfragegesteuerten Plattformen? Digitale Welten werfen die Frage nach dem Kern des Künstlerischen auf: Was bedeutet Kreativität im «digitalen Zeitalter», welche Kompetenzen sind (neu) gefragt?
Kurzum: Digitalisierung führt zu umwälzenden Veränderungen für Künstlerinnen und Künstler, für Händler, Vermittlerinnen und Agenturen, für Konsumentinnen und Konsumenten, Bürgerinnen und Bürger.

Die Reflexion des digitalen Wandels ist ein Mammutprojekt der Technikfolgenabschätzung (TA), nicht nur dieser Tagung. Die Corona-Pandemie wird in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen als zusätzlicher Treiber der Digitalisierung beschrieben. Es gilt, chancenreiche wie unerwünschte Folgen des digitalen Wandels für das Feld von Kunst, Kultur und Bildung und weiteren Bereichen der Gesellschaft zu erforschen und in weiterführende gesellschaftliche und demokratische Debatten einzuspeisen.

Unter anderem sollen die folgenden Fragenkomplexe an der NTA10 behandelt werden:

  • Digitalisierung, soziale Kooperation und Kommunikation: Wie verändert eine zunehmend digitale Kommunikation unsere sozialen Praxen des alltäglichen Miteinanders, von Verständigung, der Kooperation und Aushandlung? Drohen komplexen, «zeitraubenden», face-to-face Kommunikationsprozessen angesichts digitaler Optimierung «Vermeidungsstrategien»? Was bedeutet eine zunehmend digital fragmentierte Öffentlichkeit für Zivilgesellschaft und Demokratie: Unter welchen Bedingungen bieten sie Chancen der Vernetzung, unter welchen Bedingungen vertiefen sie Spaltung?
  • «Digitale Kultur»: Welche neuen Formen und Ausdrucksformen von «Kunst» entstehen? Was bedeutet dies für den Begriff der Qualität, wie und durch welche Akteure entstehen neue Anforderungen, Bewertungen und Massstäbe? Gibt es «digitale Kunst»? Wie verändern sich Kommunikation, Kontakt, Austausch zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Kultur- und Wissensschaffenden und ihrem Publikum, ihren Adressaten?
  • Digitale Ökonomie und Kultur: Wie verändert die Digitalisierung Rahmenbedingungen des Kulturschaffens selbst: Welchen Einfluss generiert die Plattformökonomie als neue Akteurin im Feld der Kultur? Bedeutet dies «immer mehr vom Gleichen», mehr klicktaugliche «Gefälligkeitskultur» anstatt kreativer Vielfalt? Was bedeuten digitale Möglichkeiten des Entfremdens, Vermischens, Kopierens für Eigentum und Urheberrecht? Welche Kompetenz, welche Rahmenbedingungen benötigt Kunst und Kultur, die im Digitalen «besteht»?
  • Digitale Kultur, Demokratie, Vielfalt: Wie beeinflussen digitale Prozesse den Austausch zwischen Künstler/in und Publikum, das Erleben von Provokation, Herausforderung, Auseinandersetzung, Sinnhaftigkeit, Genuss? Wie gestaltet sich die Zukunft des Authentischen, der Fehlerkultur, des Unperfekten – des Menschlichen?
  • Digitale Kultur und Teilhabe: Wie beeinflussen digitale Prozesse Zugänge zu Kunst und Kultur, zu Bildung und Wissenschaft unter den Bedingungen der Plattform- oder Datenökonomie: Erleben wir bessere Zugänge und Teilhabe im besten Sinn von «Demokratisierung» und «Open Access»? Fördern sie die Teilhabe, fördern sie Inklusion, werden dadurch neue Zielgruppen erreicht? Oder grenzen sie aus, da sie vermehrt neue Kompetenzen und Ressourcen (oft implizit) voraussetzen, über die Teile der Gesellschaft nicht verfügen? Wie umgehen mit Beschleunigung von Prozessen und der damit verbundenen Komplexität? Wie umgehen mit der Notwendigkeit nach Entschleunigung, nach Langsamkeit und Konzentration in Bezug auf komplexe Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse?
  • Digitale Kultur und Staat: Was ist die Rolle des Staates angesichts digitaler Prozesse im Kulturbereich? Soll der (demokratische) Staat Garant sein für die Erhaltung gesellschaftlicher Kohäsions- und Reflexions-«leistung»? Oder beschränkt er sich darauf, «gute Kunst und Kultur» zu fördern? Welche neuen Regeln sind aufgrund welches Selbstverständnisses notwendig? Gibt es hierzu unterschiedliche Auffassungen zur Rolle des Staates in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
  • Digitalisierung und Kulturen der Arbeit: Neben Prozessen in Kultur und Gesellschaft sind auch Arbeitszusammenhänge kulturellen Veränderungen unterworfen. In welchen Sektoren wirken sich Digitalisierungsprozesse quantitativ und qualitativ auf welche Art und Weise aus? Welche Tätigkeiten sind wie betroffen, und was bedeutet dies für Prozesse der globalen Arbeitsteilung, der Kompetenzen und der sozialen Ungleichheit in der Arbeitswelt? Wie verbinden sich Digitalisierungsprozesse und Erfahrungen aus der Corona-Pandemie: Wie sehen die Arbeitsplätze der Zukunft aus? Was bedeuten z.B. vermehrt individualisierte digitale oder hybride Arbeitsformen für die individuelle Bedeutung von Arbeit, für die Identifikation mit der Tätigkeit oder die Bedeutung organisierter Macht, z.B. zwischen Arbeitnehmer/innen und Arbeitgeber/innen?

Das Netzwerk Technikfolgenabschätzung (NTA) und die Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA SWISS) laden zur Einsendung von Vorschlägen für Beiträge (z.B. Vorträge, Workshops, Poster) ein. Die Vorschläge sollten einen Umfang von 300 Wörtern nicht überschreiten und nach Möglichkeit in deutscher Sprache eingereicht werden.

Aufgrund der bisherigen Einsendungen fordern wir insbesondere Frauen auf, Beiträge einzureichen.

Aufgrund der bisherigen Einsendungen begrüssen wir insbesondere Einsendungen aus Österreich.

Einsendefrist NEU: Freitag, 13. Mai 2022 an:
Dr. Jeannette Behringer, Email: jeannette.behringer@ta-swiss.ch

Die NTA10 ist eine Kooperation von TA SWISS mit: Netzwerk Technikfolgenabschätzung, Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ÖAW, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse ITAS, Karlsruher Institut für Technologie KIT, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Institut für qualifizierende Innovationsforschung und -beratung IQIB.
Austragungsort der Tagung wird Bern sein. Aufgrund der sich nach wie vor dynamisch entwickelnden pandemischen Lage bleibt eine Online-Austragung vorbehalten.

Programm

Programmübersicht

 

Montag, 14. November 2022 Dienstag, 15. November 2022 Mittwoch, 16. November 2022
Vor­mittag NTA Arbeits­gruppen-Treffen NTA10 Konferenz Keynote II
Workshop Sessions
NTA10 Konferenz Keynote IV
Workshop Sessions
Nach­mittag NTA Directors-Meeting
Eröffnung NTA10 Konferenz
Keynote I
NTA10 Konferenz Keynote III
Workshop Sessions
Workshop Sessions
Abschluss NTA10 Konferenz
Abend Konferenz­dinner Abend zur freien Verfügung

Partner

Die NTA10 ist eine Kooperation von TA SWISS mit: Netzwerk Technikfolgenabschätzung, Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ÖAW, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse ITAS, Karlsruher Institut für Technologie KIT, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Institut für qualifizierende Innovationsforschung und -beratung IQIB.


Kontakt:

Für inhaltliche Fragen wenden Sie sich gerne an:
Dr. Jeannette Behringer, Projektleiterin NTA10, E-Mail: jeannette.behringer@ta-swiss.ch

Für organisatorische Fragen wenden Sie sich gerne an:
Claudia Lehmann, Projektassistenz NTA10,E-Mail: claudia.lehmann@ta-swiss.ch