Studie «Hirnuntersuchungen mit bildgebenden Verfahren»

Hirnbilder stossen auf reges Interesse – aber die Aussagekraft dieser Bilder wird oft überschätzt.

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Einführung

Was sind bildgebende Verfahren?
So genannte «bildgebende Verfahren» erlauben Einblicke in den Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns bei Patienten und gesunden Versuchspersonen. Messgeräte erfassen dafür grosse Mengen an Daten, ohne dass ein Eingriff ins Gehirn erforderlich wäre. Aus den Daten berechnen leistungsfähige Computer Bilder, die wie Querschnitte durchs Gehirn aussehen. Die wichtigsten Methoden sind die (funktionelle) Magnetresonanz-Tomografie (f)MRI und die Positronen-Emissions-Tomografie (PET).

Chancen und Risiken von bildgebenden Verfahren bei Hirnuntersuchungen
Grosse Chancen bestehen in der Diagnostik, so können mit bildgebenden Verfahren Erkrankungen des Gehirns frühzeitig erkannt und chirurgische Eingriffe präziser ausgeführt werden. Auch für die Grundlagenforschung sind die Methoden wertvoll - sie tragen zum besseren Verständnis der Funktionsweise des Gehirns bei. Untersuchungen, die keinen unmittelbaren Bezug zu Erkrankungen haben, werden allerdings bisweilen kontrovers beurteilt: Denn welche Erkenntnisse lassen sich daraus gewinnen beispielsweise für die Pädagogik, das Marketing oder für die Beurteilung von straffälligen Personen?

Wieso eine TA-SWISS Studie «Hirnuntersuchungen mit bildgebenden Verfahren » ?
Die bildgebenden Verfahren werden rasch weiter entwickelt und finden auch in Bereichen ausserhalb der Medizin eine immer breitere Anwendung. Bis anhin gib es - auch auf internationaler Ebene - keine TA-Studie, in welcher untersucht wird, welche Auswirkungen dies hat.

Zielsetzungen der Studie

  • Abschätzen der Zukunftsperspektiven der Verwendung bildgebender Verfahren bei Hirnuntersuchungen.
  • Beurteilen der Verlässlichkeit von Aussagen über Hirnfunktionen, die sich auf Charaktereigenschaften, Begabungen und Neigungen beziehen. Beispielhaft soll dies bei den Themen Strafrecht, Pädagogik und Marktforschung erörtert werden.
  • Abklären, welchen Beitrag bildgebende Verfahren leisten können für die Entwicklung neuer Medikamente - zum Beispiel zur Therapie von Demenzerkrankungen.
  • Erörterung der Problematik der Abgrenzung zwischen Therapie einer Krankheit und Steigerung der Leistungsfähigkeit des Gehirns bzw. Verbesserung des Wohlbefindens gesunder Personen («enhancement»).
  • Herstellen eines Bezugs zur rechtlichen Situation in der Schweiz, wobei die gegenwärtige Gesetzgebung «Forschung am Menschen» berücksichtigt wird.
  • Gesamtbeurteilung der Situation und Formulierung von Empfehlungen, die sich an Entscheidungstragende, insbesondere an Politiker/innen richten.

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Resultate

Ergebnisse der Studie
In den letzten Jahren wurden leistungsfähige bildgebende Verfahren entwickelt, die die nicht-invasive Untersuchung der Gehirnstrukturen und -funktionen am lebenden Menschen ermöglichen und damit neuartige Möglichkeiten zur Erforschung des menschlichen Gehirns eröffnen.

Der aktuelle und mögliche Anwendungsbereich des Neuroimaging ist gross: Es leistet nicht nur wertvolle Beiträge in der biologischen Grundlagenforschung und der biomedizinischen Forschung. Ihm kommt auch grosse und wachsende Bedeutung in der klinischen Diagnostik, bei der Überwachung von Krankheitsverläufen und Heilungsprozessen, in der Neurochirurgie sowie in der pharmazeutischen Forschung zu. Von besonderer Bedeutung war und ist Neuroimaging aber für die Untersuchung kognitiver Leistungen.

Darüber hinaus gibt es ein wachsendes Interesse, das Neuroimaging auf neue Anwendungsfelder auszudehnen. Sie reichen vom Screening und der Vorhersage kognitiver Fähigkeiten und Leistungen oder von abweichendem Verhalten über die Analyse der Persönlichkeit bis hin zu Lügendetektion und Gedankenlesen.

Die TA-SWISS Studie zeigt klar, dass die Befürchtungen, allein durch Neuroimaging könne man z.B. Gedanken lesen und weitreichende Rückschlüsse auf die Persönlichkeit eines Menschen ziehen, beim gegenwärtigen Stand der Forschung unbegründet sind.

Empfehlungen
Um die Potenziale des Neuroimaging weiter auszuschöpfen, aber auch Sicherungen gegen Missbrauch und Überschätzung der Methoden bereitzustellen, werden folgende Empfehlungen ausgesprochen:

  • die Entwicklungen auf dem Gebiet des Neuroimaging, aber auch der Neurowissenschaften insgesamt, aufmerksam zu verfolgen und gegenenenfalls aktiv zu werden,
  • gesellschaftliche Dialoge über Ziele, Potenziale, Forschungsergebnisse, Grenzen, Rahmenbedingungen und mögliche Folgen des Neuroimaging zu initiieren und sich aktiv darin einzubringen,
  • die Forschung am Menschen, die gegenwärtig in der Schweiz lückenhaft und widersprüchlich geregelt ist, in einem Bundesgesetz einheitlich und internationalen Anforderungen entsprechend zu regeln,
  • die Bedingungen, unter denen interdisziplinäre Forschung auf dem Gebiet der kognitiven Neurowissenschaften sowie der Transfer von biomedizinischen Forschungsergebnissen in die klinische Routine erfolgt, weiter zu verbessern,
  • hohe Qualitätsstandards in bezug auf die Qualitätssicherung als auch in Standards der Berufsstände sowohl in den kognitiven Neurowissenschaften, der biomedizinischen Forschung als auch der ärztlichen Praxis anzustreben,
  • sich speziell der Probleme der informierten Zustimmung, der Zufallsbefunden sowie des Datenschutzes anzunehmen, die durch das Neuroimaging aufgeworfen werden, und
  • die Erforschung möglicher Gesundheitsrisiken, die mit bestimmten MRI-Anwendungen verbunden sein könnten, weiter zu unterstützen und die Sicherheitsbestimmungen entsprechend anzupassen.

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Vorgehen

Methode

  • Grundlagen werden durch Auswertung der Fachliteratur erarbeitet.
  • Zur Vertiefung werden rund 20 ausgewählte Experten und Expertinnen in ausführlichen persönlichen Interviews befragt zu aktuellen Trends in der biomedizinischen Forschung sowie zu offenen Fragen in Ethik, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft.
  • Auf Grund der Ergebnisse aus den Befragungen und Recherchen werden die einzelnen Teilaspekte ausführlich erörtert.
  • Die Haupterkenntnisse der einzelnen Teilbereiche werden interdisziplinär in eine Bewertung integriert. Abschliessend werden Empfehlungen formuliert.

Zeitplan
Projektbeginn: August 2004 | Abschluss: Frühjahr 2006

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Downloads

Medieninformation
17.11.06 Die Folgen von Hirnbildern für Strafrecht und Datenschutz (PDF 18 KB)
05.05.06 Verführend schöne Hirnbilder (PDF 41 KB)
05.05.06 Neuroimaging: Die vier wichtigsten Methoden (PDF 19 KB)
09.12.04 Fragen zum Blick ins Gehirn (PDF 44 KB)

Kurzfassung
Einblick ins Gehirn (PDF 690 KB)

Studie
Impact Assessment of Neuroimaging. Final report of the Centre for Technology Assessment, TA-SWISS 50/2006, Bärbel Hüsing, Lutz Jäncke, Brigitte Tag, Zürich, vdf, IOS Press, 2006. 342 S. Die elektronische Version ist kostenlos zugänglich unter Impact Assessment of Neuroimaging (pdf)

Zum Thema erschienen
derzeit noch nicht verfügbar

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Veranstaltungen

Tagungen
22.11.06 Hirnbilder – Konsequenzen für Strafrecht und Datenschutz
Zürcher Hochschule Winterthur
Programm (PDF 154 KB)

Hirnuntersuchungen mit bildgebenden Verfahren: Potenziale, Einsatzmöglichkeiten und Grenzen
Abstract , Folien, Dr. Bärbel Hüsing

Strafrechtliche Aspekte des Neuroimaging
Abstract , Folien, Prof. Brigitte Tag

Datenschutzrechtliche Aspekte des Neuroimaging
Abstract , Folien, B. Baeriswyl

Statements der Mitwirkenden am Panelgespräch

Parlamentarier Lunch
08.05.06 Einblick in Gehirn, Hirnbilder und ihre Folgen, Hotel Kreuz
Programm (PDF 14 KB)

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Kontakte

Trägerschaft

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS
  • Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW)

Beteiligte Personen

TA-SWISS Projekt-Betreuer

  • Dr. Adrian Rüegsegger, TA-SWISS. E-mail

Projekt-Beauftragte

  • Dr. Bärbel Hüsing, Biologin, Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe (Projektleiterin)
  • Prof. Peter Bösiger, Physiker, Institut für Biomedizinische Technik, Universität und ETH Zürich
  • Prof. Lutz Jäncke, Neuropsychologe, Psychologisches Institut, Universität Zürich
  • Prof. Brigitte Tag, Juristin, Institut für Strafrecht und Strafprozessrecht, Universität Zürich

Begleitgruppe

  • Dr. Hermann Amstad, Arzt, Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW (Präsident der Begleitgruppe)
  • Dr. Andrea Arz de Falco, Theologin, Abteilung Biomedizin, Bundesamt für Gesundheit
  • Prof. Lazare Benaroyo, Arzt und Ethiker, Centre Lémanique d’Ethique, Université de Lausanne
  • Regula Burri, Soziologin, Collegium Helveticum, ETH Zürich
  • Prof. Michael Hagner, Neurophysiologe und Wissenschaftsforscher, Professur Wissenschaftsforschung, ETH Zürich
  • Dr. Christian Heuss, Neurobiologe und Wissenschaftsjournalist, Radio DRS 2, Basel
  • Alain Kaufmann, Biologe und Soziologe, Interface Sciences-société, Imédia, Université de Lausanne
  • Prof. Theodor Landis, Arzt, service de neurologie, Hôpitaux Universitaires de Genève
  • Dr. Dieter Meier, Physiker, MR-Center, Institut für Biomedizinische Technik, Universitätsspital Zürich
  • Prof. Hanns Möhler, Neuropharmakologe, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, ETH Zürich
  • Prof. Walter Perrig , Psychologe, Institut für Psychologie, Universität Bern
  • Prof. Beat Sitter-Liver, Ethiker, Departement für Philosophie, Université de Fribourg
  • Prof. Dominique Sprumont, Jurist, Institut de droit de la santé, Université de Neuchâtel

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Links

Weiterführende Links

  • Meeting of Minds
    Europäsiches Dialogverfahren mit Bürger/innen zur Hirnforschung.

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Project
Short Title: Neuroimaging
Long Title: Impact Assessment of Neuroimaging
Short Description: High-tech equipment and complex calculations can be used to reveal the activity of the brain. But what good are such colourful «images of the brain»? The TA-SWISS study shows the potential of so-called imaging techniques, for example in diagnosing diseases and in neurosurgery. The study investigated quite different fields of application as well, such as criminal law and marketing. It also demonstrates the limits and risks of these methods.
Start: 2004
End: 2006
Partner Institutes:
Scope Countries:
Contact Person: Rüegsegger, Adrian
Home Page URL: http://www.ta-swiss.ch/en/neuroimaging/
Focus:
Project Leader: TA-SWISS
Other Members:

Das Projekt in Kürze

Mit Hightech-Geräten und komplexen Berechnungen kann die Aktivität des Gehirns sichtbar gemacht werden. Doch was taugen solche farbigen «Hirnbilder»? Die TA-SWISS-Studie zeigt das Potenzial der sogenannten bildgebenden Verfahren, zum Beispiel bei der Diagnostik von Krankheiten und in der Neurochirurgie. Ebenfalls untersucht wurden ganz andere Anwendungsbereiche wie Strafrecht und Marketing. Dabei werden auch die Grenzen und Risiken dieser Methoden aufgezeigt.

Projekt: abgeschlossen (2006)

Produkte: Buch (englisch) und Kurzfassung

Projektleitung: Dr. Bärbel Hüsing, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Karlsruhe

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