Zelluläre Xenotransplantation

Expertenstudie (1999-2001)


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Wieso eine TA-SWISS-Studie «Zelluläre Xenotransplantation»?
Das Thema «Xenotransplantation» ist wegen der Vision, Tierorgane für die Transplantation zu verwenden bekannt. Ob dieses Ziel jemals erreicht werden kann, ist allerdings ungewiss. Die Öffentlichkeit hat aber bisher kaum zur Kenntnis genommen, dass die Anwendung der zellulären Xenotransplantation bereits erprobt wird. Zudem wird auf diesem Gebiet in der Schweiz geforscht, wobei auch klinische Versuche durchgeführt wurden.

Ergebnisse der Studie

Weltweit sind bereits mehr als 300 Menschen in klinischen Versuchen mit tierischen Zellen und Geweben behandelt worden. Hoffnungen machen sich die Mediziner vor allem bei Nervenkrankheiten wie Parkinson, Alzheimer und Mulitple Sklerose, aber auch bei akutem Leberversagen und bei Diabetes. Dies deshalb, weil im Gegensatz zur Transplantation von ganzen tierischen Organen die Abstossungsreaktionen des Immunsystems bei speziell behandelten Zellen oder Geweben viel geringer sind.

Viele Fachleute sehen die zelluläre Xenotransplantation allerdings nur als Übergangsmöglichkeit, bis andere medizintechnische Alternativen wie zum Beispiel die Stammzellen-Technologien oder das Tissue Engineering (künstliche Herstellung von Geweben) genügend ausgereift sind

Bei der Xenotransplantation von Zellen, Geweben oder Organen besteht die Gefahr, dass Krankheitserreger, die bislang nur Tiere befielen, auf den Menschen überspringen könnten. Um dieses Risiko beurteilen zu können, sind weitere Untersuchungen erforderlich. Noch erheblicher Forschungsbedarf besteht auch zu Fragen im Zusammenhang mit der Abstossung der Transplantate und im Hinblick auf die bislang unzureichenden Funktion der Transplantate im Empfänger.

Empfehlungen

  • Zur Vermeidung von Risiken sollten Bewilligungen für die Xenotransplantation nur unter strengen Auflagen in klar festgeschriebenen Begutachtungsverfahren erteilt werden.
  • Zurückhaltung und Vorsicht sind angezeigt. Nach wie vor handelt es sich um ein experimentelles Verfahren, das der Erweiterung der Wissensbasis dient.
  • Dem Nutzen für einzelne Patienten und Patientinnen stehen allfällige Risiken für die ganze Gesellschaft gegenüber – beispielsweise bei der Übertragung einer Tierkrankheit auf den Menschen. Deshalb sollte die Gesellschaft als Ganze darüber mitentscheiden können, wie weit diese Therapieformen entwickelt und angewendet werden sollen.

Zum Thema erschienen:

Zelluläre Xenotransplantation, Abschlussbericht für den Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat, Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung: Karlsruhe.

Animal-to-human transplantation: Should Canada proceed? A public consultation on xenotransplantation. Canadian Public Health Association, 2002

Weiterführende Links

Organisation

Trägerschaft

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS

Projekt-Beauftragte

  • Dr. Thomas Reiss, Biologe, Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe (Projektleiter)
  • Prof. Dr. Eve-Marie Engels, Philosophin, Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften, Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Projektmitarbeiterin)
  • Dr. Sibylle Gaisser, Biologin, Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe (Projektmitarbeiterin)
  • Dr. Bärbel Hüsing, Biologin, Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe (Projektmitarbeiterin)

Begleitgruppe

  • PD Dr. Alberto Bondolfi, Institut für Sozialethik, Universität Zürich
  • PD Dr. Peter Diem, Delegierter Schweiz. Diabetes-Gesellschaft, Leiter Diabetes-Station, Inselspital, Bern
  • Christine Egerszegi-Obrist, Nationalrätin, Mellingen
  • Margrith von Felten, Juristin, Basel
  • Dr. Reto Guetg, Konkordat der Schweizerischen Krankenkassen, Solothurn
  • Prof. Dr. Thomas Leisinger, Mikrobiologisches Institut der ETH Zürich; Vorsitzender der Begleitgruppe 
  • PD Dr. Detlef Niese, Clinical Research & Development, Novartis Pharma AG, Basel
  • Prof. Dr. Hans-Peter Schreiber, Ethik-Stelle der ETH Zürich; Mitglied Leitungsausschuss TA
  • Dr. Dominique Sprumont, Directeur-adjoint de l'Institut de droit de la santé, Neuchâtel
  • Stefan Stöcklin, Wissenschafts-Journalist, Basler Zeitung, Basel
  • Dr. Theodor Weber, Leiter Fachbereich Transplantate, Bundesamt für Gesundheit, Bern
  • Dr. Hans Rudolf Widmer, Leiter Forschungslabor Neurochirurgie, Inselspital, Bern

Projektmanagement TA-SWISS 

Dr. Adrian Rüeggsegger, TA-SWISS. E-mail

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