Studie «Psychosoziale Aspekte der Ultraschall-Untersuchung in der Schwangerschaft» (1998-2001)

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Einführung

Worum geht es bei den psychosozialen Aspekten der Ultraschall-Untersuchung in der Schwangerschaft?
Der Ultraschall wird als diagnostisches Mittel in der Schwangerschaft seit Ende der 70er Jahre sowohl in Kliniken als auch von niedergelassenen Ärzten und Ärztinnen eingesetzt und wird heute routinemässig angewendet. Ergibt die Diagnose einen Verdacht, dass der Fötus in seiner Entwicklung gestört sein könnte, so ist das betroffene Paar mit schwierigen, psychisch belastenden Fragen konfrontiert. Die Art und Weise, wie die Schwangere und ihre Partner bei diesen Untersuchungen informiert und beraten werden ist deshalb von grosser Bedeutung.

Chancen und Risiken von Ultraschall-Untersuchungen
In den meisten Fällen ergibt die Ultraschall-Untersuchung keine Diagnose auf einen Verdacht. Sie vermittelt den künftigen Eltern mehr Wissen und in der Regel mehr Sicherheit und Zuversicht. Wenn ein Verdacht auf eine Entwicklungsstörung besteht, sollte es die frühzeitige Diagnose ermöglichen, dass die betroffenen Paare – mit professioneller Hilfe – besser mit der Situation umgehen können. In seltenen Fällen kommt es zum Entscheid, die Schwangerschaft abzubrechen, was für die Betroffenen extrem belastend ist.

Wieso eine TA-SWISS Studie «psychosozialen Aspekten der Ultraschall-Untersuchung in der Schwangerschaft»?
Gemäss der aktuellen Regelung werden während einer Schwangerschaft zwei Ultraschall-Untersuchungen als Pflichtleistung von der Krankenversicherung vergütet. Diese Regelung ist jedoch provisorisch und geht mit der Auflage einher, die breite Anwendung der Ultraschall-Untersuchung in der Schwangerschaftsbetreuung bis Ende 2001 zu evaluieren. Die Evaluation umfasst nicht nur den medizinischen Nutzen und die Wirtschaftlichkeit, sondern auch die psychosozialen Auswirkungen. Letztere sind Gegenstand der TA-SWISS-Studie.

Zielsetzungen der Studie
Die Ergebnisse der Studie sollen Grundlagen für ethische und gesundheitsökonomische Entscheide sowie für die Weiter- und Fortbildung von Ultraschall-Anwendern bei der Betreuung von Schwangeren liefern.

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Resultate

Ergebnisse der Studie
Die Akzeptanz der Ultraschall-Untersuchung ist ausserordentlich hoch. Selbst bei denjenigen befragten Frauen, die vorübergehend einer erhöhten psychischen Belastungen ausgesetzt waren. Dazu gehören jene, bei denen der Verdacht einer Entwicklungsstörung ihres Kindes anfänglich bestand, dann aber durch die weiteren Abklärungen entkräftet wurde. Immerhin befanden sich rund 60% der im Rahmen dieser Studie Befragten in dieser Situation. Von den Befragten gaben 33% an, sich des Konfliktpotenzials der Ultraschall-Untersuchung zu wenig bewusst zu sein. Defizite wurden im Bereich der kommunikativen Fähigkeiten bei den untersuchenden Ärzten und Ärztinnen geortet. Der Bedarf an vorgängiger, ausführlicher Information ist hoch. Bei allen Schwangeren, insbesondere aber jenen mit der Diagnose einer schweren fetalen Entwicklungsstörung, besteht das Bedürfnis nach professioneller Beratung und Unterstützung.

Empfehlungen

  • Besondere Aufmerksamkeit muss in Zukunft jenen Frauen gewidmet werden, die wegen einer fetalen Fehlbildung die Schwangerschaft beenden.
  • Solche Frauen sind psychisch ausserordentlich belastet und benötigen für die Bewältigung eine angemessene und ausreichende psychosoziale Unterstützung. Diese ist durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft, Hebammen, Pflegepersonal und Psychologinnen und Psychologen zu gewährleisten.
  • In den Aus- und Weiterbildungsgängen der verschiedenen Berufsgruppen ist deshalb der kommunikativen Kompetenz vermehrte Aufmerksamkeit zu schenken.

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Vorgehen

Methode
In der Studie wurden 150 Frauen mit Verdacht einer fetalen Entwicklungs­störung ihres Kindes mittels Interviews und Fragebogen zur Ultraschall-Technologie befragt. Dabei sollte insbesondere untersucht werden, inwiefern die Ultraschall-Technologie von schwangeren Frauen und ihren Partnern als eher hilfreich oder belastend erlebt wird bzw. wie werdende Eltern die Diagnose einer fetalen Entwicklungsstörung ihres Kindes verarbeiten.

Zeitplan
Projektbeginn: Juni 1998 | Abschluss: Februar 2001

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Medieninformation
4.12.01 Vorgeburtlicher Ultraschall: Bei Verdachtsdiagnose im Dilemma – aber dennoch breit akzeptiert

Executive Summary
Psychosocial Aspects of Ultrasound Examination during Pregnancy (english)

Kurzfassung
"Baby in Sicht" - Auffällige Ultraschall-Befunde und ihre Folgen (deutsch, französisch, englisch)

Studie
Psychosoziale Aspekte der Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft

Zum Thema erschienen

  • Götzmann, L. et al. (2002) Die Ultraschall-Untersuchung bei Verdacht auf fetale Entwicklungsstörungen: Zufriedenheit und Bewertung aus Sicht der betroffenen Frauen. Ultraschall in der Medizin, Vol. 81, S. 27-32
  • Götzmann, L. et al. (2002) Die Verdachtsdiagnose einer fetalen Entwicklungsstörung in der Ultraschall-Untersuchung: Auswirkungen auf das psychische Befinden schwangerer Frauen. Ultraschall in der Medizin, Vol. 81, S. 33-40
  • Götzmann, L. et al. (2002) Verdachtsdiagnose einer fetalen Entwicklungsstörung im Ultraschall: Gefühle und Einstellungen zur Ultraschall-Technologie aus Sicht der Partner. Ultraschall in der Medizin, Vol. 81, S. 333-337
  • Götzmann, L. et al. (2001) Kommunikative Kompetenz bei der Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft. Gynäkologische und Geburtshilfliche Rundschau, Vol. 41, S. 215-222

Trägerschaft

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS
  • Bundesamt für Sozialversicherung BSV

Beteiligte Personen

TA-SWISS Projekt-Betreuer

  • Dr. Adrian Rüeggsegger, TA-SWISS. E-mail

Projekt-Beauftragte

  • Prof. Claus Buddeberg Arzt, Abteilungsleiter Abteilung für Psychosoziale Medizin, Universitätsspital Zürich (Projektverantwortlicher)
  • Dr. Lutz Götzmann Arzt, Abteilung für Psychosoziale Medizin, Universitätsspital Zürich (Projektleiter)
  • Prof. Renate Huch Ärztin, Klinik für Geburtshilfe, Universitätsspital Zürich (Projektverantwortliche)
  • Dr. Richard Klaghofer Soziologe, Abteilung für Psychosoziale Medizin, Universitätsspital Zürich (Projektmitarbeiter)
  • Dr. Eberhard Scheuer Psychologe, Abteilung für Psychosoziale Medizin, Universitätsspital Zürich (Projektmitarbeiterin)
  • lic. phil. Stephanie Schönholzer Psychologin, Abteilung für Psychosoziale Medizin, Universitätsspital Zürich (Projektmitarbeiterin)
  • PD Dr. Roland Zimmermann Arzt, Klinik für Geburtshilfe, Universitätsspital Zürich (Projektleiter)

Begleitgruppe

  • Prof. Ursula Ackermann-Liebrich Ärztin, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Basel
  • Dr. Sergio Bellucci Leiter TA-Programm des Schweizerischen Wissenschaftsrates
  • PD Dr. Alberto Bondolfi Theologe, Institut für Sozialethik, Universität Zürich
  • Prof. Hans Ulrich Bucher Arzt, Klinik für Neonatologie, Universitätsspital Zürich
  • Dr. Brida von Castelberg Ärztin, Maternité Inselhof Triemli Zürich
  • Kati Hübner Spitalseelsorgerin, Universitätsspital Zürich
  • Dr. Pedro Koch Arzt, Chef Sektion Medizinalwesen, Bundesamt für Sozialversicherung
  • Dr. Robert Morger Schweiz. Vereinigung zugunsten von Personen mit Spina bifida und Hydrocephalus
  • Judith Seitz Leiterin Pflege, Pränatalstation und Gebärabteilung, Klinik für Geburtshilfe, Universitätsspital Zürich
  • Hans-Peter Sinniger Jurist, Direktionssekretär Verwaltungsdirektion Universitätsspital Zürich
  • Susanna Wittek Leiterin Pflege, Klinik für Geburtshilfe und Frauenpoliklinik, Universitätsspital Zürich

Project
Short Title: Ultraschall-Untersuchungen
Long Title: Studie Psychosoziale Aspekte der Ultraschall-Untersuchung in der Schwangerschaft
Short Description: Gemäss der aktuellen Regelung werden während einer Schwangerschaft zwei Ultraschall-Untersuchungen als Pflichtleistung von der Krankenversicherung vergütet. Diese Regelung ist jedoch provisorisch und geht mit der Auflage einher, die breite Anwendung der Ultraschall-Untersuchung in der Schwangerschaftsbetreuung bis Ende 2001 zu evaluieren. Die Evaluation umfasst nicht nur den medizinischen Nutzen und die Wirtschaftlichkeit, sondern auch die psychosozialen Auswirkungen. Letztere sind Gegenstand der TA-SWISS-Studie.
Start: 1998
End: 2001
Partner Institutes:
Scope Countries:
Contact Person: Rüegsegger, Adrian
Home Page URL: http://www.ta-swiss.ch/ultraschall-untersuchung/
Focus:
Project Leader: TA-SWISS
Other Members:

Eine Ultraschall-Untersuchung gibt mehr Sicherheit und Wissen.