Programmiertes Vertrauen: Chancen und Risiken der Blockchain-Technologie

Expertenstudie


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Die Blockchain-Technologie gilt gerade in der Schweiz als hochinnovativ. Um ihre Potentiale und Risiken beurteilen zu können, muss man sie im internationalen Kontext und in ihrer Gesamtheit betrachten. Dies tut die Studie «Blockchain: Capabilities, Economic Viability, and the Socio-Technical Environment», von TA-SWISS.

Ein Register, das Einträge dezentral und dennoch sicher und unabänderlich abspeichert: Das ist die Blockchain. Der hohen Vertrauenswürdigkeit aufgrund unabänderlicher Eingaben steht allerdings das Risiko gegenüber, dass die Blockchain gegen das Recht auf Vergessen verstossen könnte. Auch aus ökologischer Sicht ist sie nicht unumstritten. Denn um die Sicherheit zu garantieren, müssen zahlreiche Computer komplexe Rechnungen lösen. Das braucht viel Strom, der keineswegs immer aus erneuerbaren Quellen stammt.

Neben den technischen Voraussetzungen untersucht die Studie von TA-SWISS anhand von zwölf Fallstudien, wo Blockchain-Anwendungen gegenüber herkömmlichen Anwendungen im selben Bereich tatsächlich einen Vorteil bringen und wo sie (noch) nicht wirklich überzeugen. Die Beispiele reichen von Kryptowährungen und Zahlungssystemen in Flüchtlingslagern über Energieversorgung bis hin zur Grundstückverwaltung. Dort etwa zeigt sich, dass Blockchain-basierte Systeme vor allem in Ländern einen Mehrwert bringen, wo der Staat wenig Vertrauen geniesst. Kann er die Sicherheit und Verlässlichkeit der Grundstückverwaltung hingegen garantieren, so bringt ein digitales Landregister kaum zusätzlichen Nutzen.

In einem ergänzenden Teil würdigt die Studie den soziologischen und kulturellen Kontext, der die Entwicklung der Blockchain begünstigt hat: Mit der Blockchain, die durch die Fortschritte der Verschlüsselungstechnologie ermöglicht wurde, zielten deren Entwickler und Entwicklerinnen von Anfang an darauf ab, bei bestimmten Aufgaben staatliche Stellen oder privatwirtschaftliche Unternehmen zu ersetzen. Als Folge davon lassen sich Blockchain-basierte Systeme kaum auf staatlicher Ebene regulieren; vielmehr sind dazu international abgestimmte gesetzliche Grundlagen und Massnahmen erforderlich. Wie aber der Einsatz der Blockchain gestaltet werden soll, muss – jenseits von jedem Hype – im Interesse der Allgemeinheit breit und mit Bedacht diskutiert werden. Diesem Zweck dient die zweiteilige Studie von TA-SWISS.

Die technische Einleitung und die Einschätzung unterschiedlicher Blockchain-Anwendungen hat ein Projektteam unter der Leitung von Nils Braun-Dubler vom Institut für Wirtschaftsstudien Basel verfasst. Mit dem soziologisch-historischen Teil wurde ein Team um Antoine Burret vom «Institut des Sciences des Services» der Universität Genf betraut.

Die Studie ist im Buchhandel erhältlich oder digital im Open Access: https://vdf.ch/blockchain-capabilities-economic-viability-and-the-socio-technical-environment-e-book.html

Eine Kurzfassung zur Studie fasst anschaulich die wichtigsten Punkte zusammen. Sie kann gedruckt bei TA-SWISS bestellt (6oOEjIWqnovHmZ2DmZnEiYI@nospam) oder als PDF heruntergeladen werden: zur Kurzfassung

 

Organisation

Projektdauer

April 2017 bis Juni 2020

Projektbeauftragte 1

Leitung: Nils Braun-Dubler, MPhil (Oxon), Institut für Wirtschaftsstudien Basel – IWSB

Projektgruppe

  • Hans-Peter Gier, lic. oec. HSG, Banking Concepts
  • Stefan Meyer, Dr. rer. pol., IWSB
  • Manuel Langhart, MA, IWSB
  • Markus Gmünder, Dr. rer. pol., IWSB
  • Andreas Glarner, Dr. iur. und LL.M., MME

Projektbeauftragte 2

  • Antoine Burret, Dr. Soc., Universität Genf, Centre Universitaire Informatique, Institut de science des services
  • Simon Perdrisat, MSc sc. Pol., Universität Genf, Centre Universitaire Informatique, Institut de science des services

Begleitgruppe

  • Dr. Olivier Glassey, Leiter der Begleitgruppe und Mitglied des Leitungsausschusses von TA-SWISS, Universität Lausanne
  • Raphael Bucher, Bundesamt für Umwelt (BAFU)
  • Prof. Christian Cachin, Universität Bern
  • Hannes Gassert, crstl
  • Anja Wyden Guelpa, civiclab
  • Dr. Uwe Heck, Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB)
  • Luzius Meisser, meissereconomics
  • Marine Pasquier-Beaud, Bundesamt für Energie (BFE)
  • Martin Rindlisbacher, UBS
  • Dr. Fabian Schnell, Avenir Suisse
  • Antoine Verdon, Swiss Legal Tech Association

Projektmanagement TA-SWISS

Dr. Catherine Pugin, TA-SWISS
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