Technologien für Negativemissionen

Group of people plant a tree together outdoors

Im Auftrag der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS) erstellen das Öko-Institut und die EMPA eine Studie über Chancen und Risiken verschiedener Technologien zur dauerhaften Entfernung klimaschädlicher Treibhausgase (THG) aus der Atmosphäre. Damit die Schweiz ihre internationale Verantwortung zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C gerecht werden kann, müssen die mensch-gemachten Treibhausgasemissionen auf netto null reduziert werden. Um klimaneutral zu werden möchte die Schweiz bis spätestens 2050 alle menschgemachten Treibhausgasemissionen stark reduzieren. Die verbleibenden, schwer reduzierbaren Klimabelastungen sollen dann mit Hilfe einer technischen Umkehrung der THG-Emission aktiv wieder aus der Atmosphäre entfernt werden.

Für diesen Zweck gibt es eine Reihe von technischen Konzepten. Es ist jedoch noch nicht genau bekannt, wie wirksam diese Technologien sind und welche Auswirkungen ihre Anwendung auf die Bevölkerung in der Schweiz und die Umwelt haben würde. Im Zentrum dieser interdisziplinären Studie steht deshalb eine systematische Befragung von interessierten Akteuren in der Schweiz, die mit diesen Technologien oder deren Auswirkungen vertraut sind. Die Befragung soll das vorhandene Wissen bündeln und einen Überblick über die verschiedenen Ansichten zu den Chancen und Risiken der Technologien für negative Emissionen (NET) geben.

Die Studie bietet die Möglichkeit einer frühzeitigen und faktenbasierten Bewertung des vorhandenen Wissens und der Wissenslücken zu NET. Trotz der zum jetzigen Zeitpunkt noch bestehenden Unsicherheiten bezüglich der technischen Aspekte der NET trägt diese Studie dazu bei, die Potenziale und möglichen Folgen und Nebenwirkungen aus verschiedenen gesellschaftlichen Perspektiven zu beleuchten. Auf diese Weise soll eine ergebnisoffene Diskussion über die Hoffnungen und Befürchtungen bezüglich der NET ermöglicht werden. Diese Fragen werden in diesem frühen Stadium der Technologieentwicklung betrachtet, bevor eine politische und wirtschaftliche Festlegung auf den tatsächlichen Einsatz dieser Technologieoptionen erfolgt, welche später nicht ohne weiteres revidiert werden kann.

Ablauf der Studie

Die Stakeholderbefragung erfolgt mittels der Befragungssoftware LOTA. Es ist angestrebt, eine möglichst breite Meinungsvielfalt zu berücksichtigen. LOTA ist eine innovative Methodik, die softwareunterstützt die Meinungsvielfalt einer befragten Gruppe zu Chancen und Risiken der Technologie für aggregierte und global anerkannter Ziele nachhaltiger Entwicklung dargestellt werden. Dieses Tool steht registrierten Nutzenden zur online Verfügung. Interessenten erhalten die Zugangsinformationen nach einer Registrierung per E-Mail. 

Im Laufe der Online-Befragung unter Anwendung der LOTA Software schildern die Stakeholder die aus ihrer Sicht relevanten Einflussfaktoren und Wirkungsweisen für die globalen Ziele. Die Methodik stellt für die Technikfolgenabschätzung eine neue Möglichkeit dar effizient eine grosse Gruppe Stakeholder, bezüglich derer Meinung zu Chancen und Risiken einer Technologie, zu befragen und im Verhältnis zueinander graphisch darzustellen (siehe Abbildung).  

Diese graphische Darstellung dient wiederum als Basis, um möglichst kontrovers zueinanderstehende Meinungen genauer zu betrachten und deren Argumentation oder Meinungsgrundlage zu untersuchen. 

Im Zuge der Befragung mit Hilfe von LOTA benennen Stakeholder erst Einflussfaktoren und geben dann eine Einschätzung der Chancen und Risiken der jeweiligen NET hinsichtlich der folgenden 8 global konsolidierten Zielstellungen ab:

  • Befriedigung der
    Grundbedürfnisse;  
  • Grundfreiheiten;  
  • Sicherheit und Frieden;  
  • Gesunde Umwelt;  
  • Rechtsstaatlichkeit; 
  • Gleichheit;  
  • Wohlstand; 
  • Globaler Konsens und
    Governance. 

Diese Zielstellungen wurden von der UN-Deklaration für Menschenrechte, den UN-Zielen für Nachhaltige Entwicklung, dem Human Development Index sowie auch dem Happy Planet Index abgeleitet und können bei Bedarf durch die Stakeholder ergänzt werden. 

Nach Abschluss der Stakeholderbefragung werden die Abschätzungen der Teilnehmenden zu den Chancen und Risiken je NET in Form eine ‘Landkarte’ der Meinungsvielfalt teilnehmender Stakeholder dargestellt. Diese Ergebnisse der Meinungsanalyse werden in anonymisierter Form im Ergebnisbericht des Projekts durch die TA-SWISS veröffentlicht werden. 

Links und Downloads

Organisation

Projektdauer
Oktober 2021 bis März 2023

Projektgruppe

  • Dr. Martin Cames, Ökö-Institut e.V. (Projektleiter)
  • Dr. Clemens Mader, Empa – Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Begleitgruppe

  • Dr. Stefan Vannoni, Ökonom, CEO cemsuisse, Präsident der Begleitgruppe, Mitglied des Leitungsausschusses von TA-SWISS
  • Dr. David Altwegg, Ökonom und Ingenieur, Mitglied des Leitungsausschusses von TA-SWISS
  • Dr. Andreas Bachmann, Ethiker und Philosoph, Sekretariat Comité d'éthique, Bundesamt für Umwelt
  • Prof. Dr. Pascal Boivin, Agronom, HEPIA
  • Prof. Dr. Alfredo Bondolfi, Universität Genf, Mitglied des Leitungsausschusses von TA-SWISS
  • Prof. Dr. Jacques Dubochet, Biophysiker, Nobelpreisträger in Chemie, Universität Lausanne, Mitglied des Leitungsausschusses von TA-SWISS
  • Dr. Samuel Eberenz, Experte für Wetter- und Klimarisiken, Stiftung Risiko-Dialog
  • Floris Heim, Experte Umweltverträglichkeitsprüfung, Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft, Kanton Zürich
  • Dr. Sonja Keel, Umweltwissenschaftlerin, Agroscope
  • Dr. Selma L’Orange Seigo, Umweltpsychologin und Politikerin
  • Dr. Urs Neu, Meteorologe, stv. Geschäftsleiter ProClim
  • Dr. Otto Schäfer, Biologe und Ökotheologe
  • Dr. Daniel Sutter, Chemiker, Climeworks
  • Adèle Thorens, Ethikerin und Politikerin, Beraterin und Ständerätin
  • Dr. Esther Thurig, Naturwissenschaftlerin, Gruppenleiterin Waldressourcen und Waldmanagement, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft
  • Dr. Sophie Wenger Hintz, Chemikerin, NETs Klimapolitik, Bundesamt für Umwelt

Über die beteiligten Forschungsorganisationen

Das Öko-Institut ist eine unabhängiges Forschungs- und Beratungseinrichtung für eine nachhaltige Zukunft. Zu den wichtigsten Auftraggebern gehören Ministerien auf Bundes- und Landesebene, öffentliche Einrichtungen, Unternehmen sowie die Europäische Union. Der Bereich Energie & Klima-schutz hat langjährige Erfahrung mit Forschungsprojekten zur nationalen und internationalen Klimapolitik. Neben technisch, ökonomischen Fragestellungen stehen dabei oft auch Fragen zur gesellschaftlichen Wahrnehmung und Akzeptanz der Politiken im Fokus der Analysen und Empfehlungen. Der Bereich Produkte & Stoffströme verfügt über umfangreiche Kompetenzen in Hinblick auf Nachhaltigkeitsbewertung und Technikfolgenabschätzung. Ein breites Methodenset bildet die Basis für Gutachten und Studien, dazu gehören Öko- und Klimabilanzen für Prozesse, Produkte und Unternehmen, Lebenszykluskosten- und Ökoeffizienzanalysen sowie Schadstoffbilanzierungen und Expositionsszenarien. Die vom Öko-Institut entwickelte Produktnachhaltigkeitsanalyse PROSA dient in vielen Projekten als strategisches Entscheidungstool. 

Die Empa ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologie. Die Empa hat eine Brückenfunktion zwischen Forschung und praktischer Anwendung; die Forschenden erarbeiten innovative Lösungen für die vorrangigen Herausforderungen von Industrie und Gesellschaft zum Beispiel in den Bereichen Energie-, Bau- und Umwelttechnologien und Ressourceneffizienz. Über einen möglichst effizienten und direkten Technologietransfer setzt sie Forschungsergebnisse gemeinsam mit Industriepartnern in marktfähige Innovationen um. Dadurch leistet die Empa einen wesentlichen Beitrag zur Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft. 

Die Abteilung Technologie und Gesellschaft der Empa untersucht die Rolle neuer Materialien und Technologien bei der Transition zu einer nachhaltigen, post-fossilen Gesellschaft und unterstützt gesellschaftliche Akteure bei der Entwicklung bzw. dem Design nachhaltiger Materialien, Technologien bzw. Systeme. Die aktuellen Forschungsschwerpunkte der Abteilung sind Chancen und Risiken neuer Materialien, nachhaltige Materialkreisläufe sowie die prospektive Beurteilung neuer Technologien aus der Lebenszyklusperspektive. 


Kontakt

Bénédicte Bonnet-Eymard, TA-SWISS
benedicte.bonneteymard@ta-swiss.ch

Öko-Institut: Dr. Martin Cames 

Empa: Dr. Clemens Mader