Stimm-, Sprach- und Gesichtserkennung

Authentication by facial recognition concept. Biometric admittance control device for security system. Asian man using face scanner to unlock glass door in office building.

Unsere Stimme und unser Gesicht sind ein unverkennbarer Teil von uns; so können wir andere Menschen anhand ihres Antlitzes oder ihrer Stimme erkennen. Nicht selten beurteilen wir aufgrund von Mimik oder Stimmlage sogar den Gemütszustand anderer oder bilden uns gar ein Urteil über ihre Persönlichkeit. Dies alles sollen nun auch Maschinen leisten können, so werben zumindest viele neue Technologie-Anbieter. Schenkt man ihren Versprechungen Glauben, können Erkennungstechnologien unseren Alltag vereinfachen, Grenzübertritte sicherer machen und sogar Krankheiten erkennen.

Inhalt der Studie

Unsere Stimmen und Gesichter sind einzigartig, und mit deren Aufnahme und Analyse werden biometrische Daten erhoben: physiologische und verhaltensspezifische Eigenschaften, anhand derer man uns von anderen Menschen unterscheiden kann. Doch im Gegensatz zum Fingerabdruck verraten Stimme und Gesicht neben unserer Identität möglicherweise auch etwas über unser Innenleben. So sollen mit der passenden Software aus diesen Daten auch unsere Persönlichkeit, Emotionen und sogar Krankheiten herausgelesen werden können. Damit dringen mit der Stimm-, Sprach- und Gesichtserkennung Technologien in unseren Alltag ein, die möglicherweise tiefe Einblicke in unsere Psyche oder Gesundheit erlauben – auch ohne unser Wissen oder unsere Zustimmung.

Die maschinelle Gesichtserkennung ermöglicht zudem eine flächendeckende Überwachung, beispielsweise um Straftäter oder vermisste Personen zu identifizieren. Dies kann die Sicherheit erhöhen; Menschenrechtsorganisationen kritisieren jedoch, dass eine flächendeckende und verdachtsunabhängige Überwachung der Öffentlichkeit einen massiven Eingriff in die Grundrechte darstellt, der im Widerspruch zu den Menschenrechten steht.

Die Stimm-, Sprach- und Gesichtserkennung wirft daher viele Fragen zu Datenschutz, Privatsphäre und biometrischen Daten auf. Einen wichtigen Aspekt stellt die gesellschaftliche Wahrnehmung dar; fraglich ist beispielsweise, inwiefern sich Nutzende über die Möglichkeiten und Risiken der Stimm-, Sprach- und Gesichtserkennung sowie der Aussagekraft ihrer biometrischen Daten bewusst sind. Die interdisziplinäre Studie von TA-SWISS soll die Chancen und Risiken sowie das künftige Potenzial dieser Technologien beleuchten.

Links und Downloads

Organisation

Projektgruppe:

  • Dr. Michael Friedewald, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
  • Murat Karaboga, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
  • Prof. Dr. iur. Astrid Epiney, Institut für Europarecht der Universität Freiburg i.Ue.

Begleitgruppe:

  • Dr. Bruno Baeriswyl, Datenschutzexperte, Mitglied des TA-SWISS Leitungsausschuss (TA-LA), Leiter der Begleitgruppe
  • Dominik Brumm, Head of Development Cubera
  • Prof. Dr. Volker Dellwo, Institut für Computerlinguistik, Universität Zürich
  • Dr. Jean Hennebert, Université de Fribourg und TA-LA
  • Dr. Anna Jobin, Soziologin
  • Prof. Dr. Annett Laube, Technik und Informatik, Berner Fachhochschule
  • Prof. Dr. Klaus Scherer, Swiss Center for Affective Sciences, Universität Genf
  • Remo Schmidlin, Jurist, Lenz & Staehelin
  • Prof. Dr. Thomas Vetter, Departement Mathematik und Informatik, Universität Basel
  • Patrick Walder, Amnesty International Schweiz

Kontakt

Christina Tobler, TA-SWISS
christina.tobler@ta-swiss.ch