PubliForum «Gentechnik und Ernährung» (1998-1999)

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Einführung

Worum geht es bei Gentechnik und Ernährung?
Die Gentechnik macht es möglich, neue Eigenschaften in Pflanzen zu übertragen mit einer Geschwindigkeit und Präzision, wie dies mittels der herkömmlichen Pflanzenzüchtung nicht möglich wäre. Zu diesem Zweck werden Gene, d.h. einzelne Abschnitte der Erbinformation, welche für bestimmte Eigenschaften «zuständig» sind, ins Erbgut der Pflanzen übertragen. Die gewünschten Gene können von anderen Pflanzenarten, von Bakterien oder gar von Tieren stammen. Bisher wurden vor allem Gene aus Bakterien übertragen, welche die Pflanzen resistent machen gegen Schädlinge oder Herbizide. Davon profitiert in erster Linie die Landwirtschaft. Weil einige der gentechnisch veränderten Pflanzenarten zur Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden, kommt auch die Ernährung ins Spiel.
 
Chancen und Risiken der Gentechnik im Bereich der Ernährung
Wenn eine Pflanze gegen gefrässige Insekten resistent ist, muss der Bauer weniger Spritzmittel einsetzen, um diese Schädlinge zu bekämpfen. Bei einer herbizidresistenten Pflanze kann das Unkraut effizient beseitigt werden: Die Pflanzen mit der speziellen Resistenz überleben, alle anderen Pflanzen sterben ab, wenn ein geeignetes Herbizid auf den Acker versprüht wird. In Zukunft sollen nicht nur die Landwirte, sondern auch die Konsumentinnen und Konsumenten profitieren: Die Gentechnik soll uns länger haltbare, schmackhaftere oder gar für die Gesundheit zuträglichere Lebensmittel bringen. Kritische Stimmen mahnen allerdings zur Vorsicht, denn es sei nicht genügend abgeklärt, ob die neuartigen Pflanzen nicht die Gesundheit oder die Umwelt schädigen. Zudem können einmal «freigesetzte» Gene nicht mehr zurückgerufen werden. Umstritten ist auch die Patentierung von gentechnisch verändertem Saatgut und die Frage, ob die Gentechnik eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion in den Entwicklungsländern ermöglicht, wird ebenfalls kontrovers diskutiert.

Wieso ein TA-SWISS PubliForum «Gentechnik und Ernährung»?
Neue Technologien rufen in der Bevölkerung oft Fragen hervor. Bürgerinnen und Bürger sind verunsichert angesichts der immer schnelleren Entwicklungen, auf die sie keinen Einfluss haben. Wissenschaft und «gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger» leben in verschiedenen Welten, und die einst willkommenen Fortschritte stossen heute in gewissen Kreisen der Bevölkerung auf Skepsis, wenn nicht auf kategorische Ablehnung. Diese Verunsicherung ist bei einigen Anwendungen der Gentechnik besonders ausgeprägt. Zwar werden die neuen Möglichkeiten, welche die Gentechnik in der Medizin bietet, mit Hoffnung betrachtet. Aber in der der Landwirtschaft löst die Gentechnik bei vielen Menschen Befürchtungen und Ängste aus. Diese Befürchtungen unbeantwortet zu lassen oder zu ignorieren, kann keine Lösung sein. Deshalb braucht es eine Annäherung zwischen Wissenschaft und Laien, um das Vertrauen wiederherzustellen.

Zielsetzungen des PubliForums
Durch die «Genschutz-Initiative» wurde Ende der 1990er Jahre in der Schweiz eine breite öffentliche Debatte zur Gentechnik ausgelöst. Diese Initiative wurde von den Schweizer Bürgerinnen und Bürgern in einer Volksabstimmung deutlich abgelehnt – ein weitgehendes Verbot zahlreicher Anwendungen der Gentechnik kam also nicht zustande. Viele Fragen blieben aber unbeantwortet und eine weit verbreitete Skepsis gegenüber der Gentechnik in der Ernährung blieb bestehen. Das PubliForum zum Thema «Gentechnik und Ernährung» soll die öffentliche Diskussion weiterführen und vertiefen. Mit der Schaffung einer Gesprächsplattform zwischen der Welt der Wissenschaft, der Politik und der breiten Öffentlichkeit bietet das PubliForum die Voraussetzungen für eine frühzeitige und differenzierte Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger bei der Beurteilung der Gentechnik im Bereich der Ernährung.

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Resultate

 Ergebnisse des PubliForums «Gentechnik und Ernährung»
Das Bürgerpanel hat für die vertiefte Diskussion folgende Fragen gewählt: 

  • Welche Ziele werden in der Forschung und Entwicklung von GVO-Produkten verfolgt?
  • Wie weit ist die Forschung bezüglich der Beurteilung von Risiken?
  • Welches wären die Folgen für die Forschung in der Schweiz, wenn wir gentechnisch veränderte Organismen verbieten würden?
  • Welches sind die bekannten und absehbaren Einflüsse von genveränderten Organismen auf das Ökosystem?
  • Wie werden die langfristigen Folgen auf die Umwelt abgeschätzt?
  • Welche Ziele in bezug auf die Gesundheit verfolgt die Gentechnik in der Landwirtschaft bzw. bei den Lebensmitteln?
  • Welchen kurz- und langfristigen Risiken ist der Mensch durch den direkten oder indirekten Verzehr (über die Nahrungskette) von gentechnisch veränderten Lebensmitteln ausgesetzt?
  • Wie sind gentechnisch veränderte Lebensmittel aus ethisch-moralischer Sicht zu beurteilen?
  • Welches sind die wirtschaftlichen Chancen und Risiken der Gentechnologie in der Agrar- und Lebensmittelindustrie?
  • Welches sind die Konsequenzen der Patentierung von gentechnisch veränderten Organismen weltweit (z.B. Verwendung des Saatguts durch Landwirte für ihren Eigengebrauch, d.h. zur Aussaat in der nächsten Saison)?
  • Wie sind die rechtlichen Regelungen für die Entwicklung und Vermarktung von GVO-Produkten, zu beurteilen, wo besteht insbesondere Handlungsbedarf?
  • Wie sehen die Haftungsregelungen aus? Wer haftet wie lange und in welchem Ausmass?
  • Welche heutigen und geplanten Bestimmungen gibt es bezüglich Deklaration und wer überprüft deren Einhaltung (auch bei verarbeiteten Produkten)?
  • Welche Tests müssen GVO bestehen, bevor sie zugelassen werden?
  • Wie wirken sich heute und in Zukunft internationale Verpflichtungen auf den Import von GVO-Lebensmitteln aus?

Die vollständigen, jeweils spezifisch zu den oben erwähnten Fragen formulierten Meinungen und Empfehlungen sind im Bericht des Bürgerpanels enthalten.


Abschliessende Empfehlungen
Das Bürgerpanel findet, dass es der heutige Stand der wissenschaftlichen Kenntnisse nicht erlaubt, spezifische, aus gentechnisch veränderten Organismen entstandene Risiken auszuschliessen. Da man diese Risiken nicht quantifizieren kann, kann auch deren Tragbarkeit nicht beurteilet werden. Deshalb empfiehlt eine Mehrheit des Panels ein Moratorium über die Herstellung und Vermarktung von gentechnisch veränderten Organismen. Abgegrenzte Feldversuche (namentlich durch öffentliche Institutionen) sollen zugelassen und kontrolliert werden, um vertiefte Erkenntnisse über allfällige Risiken zu gewinnen.

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Vorgehen

Methode
Auf Zufallsbasis, aber nach demografischen Vorgaben (Region, Sprache, Alter, Geschlecht), wird eine grosse Anzahl von Bürgerinnen und Bürger auf das PubliForum aufmerksam gemacht. Aus den interessierten Personen wählen die Veranstalter rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus. Diese Gruppe, das «Bürgerpanel», bereitet sich während zweier Wochenenden auf das eigentliche PubliForum vor. Dabei formuliert sie die Fragen, welche Fachleuten aus den ausgewählten Gebieten vorgelegt werden sollen. Aufgrund dieser Vorarbeit bestimmen die Bürgerinnen und Bürger dann diejenigen Auskunftspersonen, welche sie befragen wollen. Es folgt der zweitägige Hauptanlass, zu dem sich auch die Fachleute vorbereiten können. Das Bürgerpanel setzt sich dann erneut zusammen, um die erhaltenen Antworten zu diskutieren und in einem Bericht zusammenzufassen. Der Bericht enthält einerseits eine umfassende Darstellung der oft kontroversen Antworten der Fachleute und andererseits eine Einschätzung der Bürgerinnen und Bürger. Diese formulieren darin auch konkrete Empfehlungen und Forderungen zu Handen des Parlaments.

Um eine transparente und neutrale Vorbereitung des PubliForums zu gewährleisten, hat TA-SWISS eine Gruppe von Fachpersonen eingesetzt, welche die Organisation des Projekts begleitete (siehe «Kontakte: Begleitgruppe»). Diese Begleitgruppe vereint Personen, welche Fachwissen und verschiedene Positionen hinsichtlich der Thematik «Gentechnik und Ernährung» mitbringen. Unter der Aufsicht der Begleitgruppe wurde auch eine Informationsbroschüre zum Thema Gentechnik und Ernährung verfasst.


Zeitplan
Projektbeginn: November 1998
Abschluss: Juli 1999

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Downloads

TA-SWISS Publikationen

Bericht des Bürgerpanels

 

Veranstaltungen

PubliForum-Veranstaltung
4. - 9. Juni 1999

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Kontakte

Trägerschaft

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS


Beteiligte Personen


Projektbetreuer und -betreuerinnen

  • Dr. Bellucci Sergio, E-mail
  • Dr. Bütschi Danielle Verantwortliche für das PubliForum «Gentechnik und Ernährung»
  • Sommaruga Simonetta Stiftung für Konsumentenschutz, Bern
  • Dr. Rüegsegger Adrian Verantwortlicher für den Bereich «Biotechnologie und Medizin»

Begleitgruppe

  • Adamer Siegfried Nestlé Schweiz AG
  • Dr. Bieri Françoise B.I.C.S., Basel
  • Félix Olivier Bundesamt für Landwirtschaft, Bern
  • Prof. Ghisalba Oreste SPP Biotech (SNF), Basel
  • Dr. Gonseth Ruth Nationalrätin, Liestal
  • Dr. Hodler Beat Fédération des industries alimentaires (FIAL), Bern
  • Dr. Klemm Urs Bundesamt für Gesundheit, Bern
  • Longet René Société pour la protection de l'environnement, Genf
  • Oehen Bernadette WWF Schweiz, Zürich
  • Dr. Randegger Johannes Nationalrat, Bettingen
  • Dr. Schorderet François Novartis Consumer Health AG, Nyon
  • Sommaruga Simonetta Stiftung für Konsumentenschutz, Bern
  • Prof. Teuber Michael ETH Zürich, Dept. Agrar- und Lebensmittelwissenschaften
  • Dr. Waldner Rosmarie Tages Anzeiger, Zürich (Präsidentin der Begleitgruppe)
  • Dr. Weisshaupt Kurt Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern

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Links

Weiterführende Links

Project
Short Title: Gentechnik und Ernährung
Long Title: PubliForum Gentechnik und Ernährung
Short Description: Durch die «Genschutz-Initiative» wurde Ende der 1990er Jahre in der Schweiz eine breite öffentliche Debatte zur Gentechnik ausgelöst. Diese Initiative wurde von den Schweizer Bürgerinnen und Bürgern in einer Volksabstimmung deutlich abgelehnt – ein weitgehendes Verbot zahlreicher Anwendungen der Gentechnik kam also nicht zustande. Viele Fragen blieben aber unbeantwortet und eine weit verbreitete Skepsis gegenüber der Gentechnik in der Ernährung blieb bestehen. Das PubliForum zum Thema «Gentechnik und Ernährung» soll die öffentliche Diskussion weiterführen und vertiefen. Mit der Schaffung einer Gesprächsplattform zwischen der Welt der Wissenschaft, der Politik und der breiten Öffentlichkeit bietet das PubliForum die Voraussetzungen für eine frühzeitige und differenzierte Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger bei der Beurteilung der Gentechnik im Bereich der Ernährung.

Start: 1998
End: 1999
Partner Institutes:
Scope Countries:
Contact Person: Bellucci, Sergio
Home Page URL: http://www.ta-swiss.ch/publiforum-gentechnik-und-ernaehrung
Focus:
Project Leader: TA-SWISS
Other Members:

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Das PubliForum Gentechnik und Ernährung hat die Diskussionen nach der Ablehnung der Genschutz-Initiative weitergeführt.