PubliForum «Forschung am Menschen»
(2003-2004)

Zwischen Geld und Geist

Einführung | Resultate | Vorgehen | Downloads | Veranstaltungen | Kontakte | Links

Einführung

Was ist «Forschung am Menschen»?
Der Fortschritt in der Medizin ist auf Versuche angewiesen, an denen sich Patientinnen und Patienten oder gesunde Versuchspersonen beteiligen. Klinische Studien zur Entwicklung neuer Medikamente sind in diesem Zusammenhang von grosser Bedeutung. Doch auch die Forschung an Gewebeproben menschlichen Ursprungs, an Embryonen, an verstorbenen Personen oder mit Personendaten gehört zur Forschung am Menschen. Ausserhalb der Medizin können Bereiche aus der Psychologie oder den Sozialwissenschaften dazu zählen.

Chancen und Risiken der Forschung am Menschen
Der Nutzen der Forschung am Menschen für die Entwicklung neuer Medikamente und besserer Therapien ist unbestritten. Doch Personen, die an entsprechenden Versuchen teilnehmen, sind auch gewissen Risiken ausgesetzt – unerwartete Nebenwirkungen können nicht ausgeschlossen werden. Grundsätzlich dürften an solchen Versuchen nur Personen teilnehmen, welche ausführlich über den Ablauf, die erwarteten Vorteile und mögliche Risiken informiert wurden und ausdrücklich ihr Einverständnis dazu gegeben hatten.

Die Forschung am Menschen ist nicht ein rein medizinisches Thema. Auch ethische, gesellschaftliche, rechtliche und ökonomische Fragen sind in diesem Zusammenhang von Interesse. Welches sind die gesetzlichen Leitplanken, welche die Teilnehmenden solcher Forschungsprojekte schützen? Wie steht es mit dem Datenschutz? Und was soll man von der Teilnahme von Personen mit eingeschränkter Urteilskraft wie Kinder oder geistig Behinderten halten?

Wieso ein TA-SWISS PubliForum «Forschung am Menschen»?
In der Schweiz wird ein Gesetz vorbereitet, welches die Forschung am Menschen regeln soll. Eine Gruppe von Expertinnen und Experten erarbeitet den entsprechenden Gesetzesentwurf. Es ist wichtig, dass eine Debatte über dieses Thema stattfindet, in der auch Bürger und Bürgerinnen die Gelegenheit haben, die für sie wichtigen Aspekte dieses Themas auszuleuchten und ihre Hoffnungen und Befürchtungen auszudrücken.

Zielsetzungen des PubliForums
Eine Gruppe von 30 Bürgerinnen und Bürgern (das «Bürgerpanel» ) aus der ganzen Schweiz befasste sich mit dem Thema «Forschung am Menschen» . Das Bürgerpanel legte fest, welche Fragen es vertieft erörtern möchte und diskutierte diese mit Auskunftspersonen. Die Bürgerinnen und Bürger formulierten schliesslich einen Bericht, welcher Empfehlungen enthält.

Diese Empfehlungen wurden von TA-SWISS frühzeitig in den Prozess der Gesetzgebung zur Forschung am Menschen eingebracht, damit die zuständigen Stellen für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger sensibilisiert wurden.

[TOP]

Resultate

Ergebnisse des PubliForums «Forschung am Menschen»
Das Bürgerpanel hat für die vertiefte Diskussion folgende Fragen gewählt:

  • Schutz des Individuums: Wie kann der Schutz des Einzelnen sichergestellt werden?
  • Ethik: Wie wird über die Zulassung von Studien und Anwendungen entschieden?
  • Forschungsförderung: Wie kann man Forschung an bestimmten Personengruppen fördern?
  • Schutz vor Missbrauch: Wie wird Missbrauch verhindert?
  • Information: Wie zugänglich sind Forschungsresultate?
  • Forschung und Geld: Wer finanziert was?
  • Datenschutz: Wie ist der Datenschutz geregelt?
  • Schweizer Gesetzgebung im internationalen Kontext: Wie ist die Forschung am Menschen andernorts geregelt?

Empfehlungen
Die wichtigsten Empfehlungen der Bürgerinnen und Bürger lauten:

  • Informationsdefizit beheben: Der freie Zugang und Austausch von Informationen im Zusammenhang mit Forschungsprojekten am Menschen ist zu verbessern. Dazu sollten Studien mit Versuchs­personen in einem öffentlich zugänglichen Register erfasst werden. Forschungs­resultate aus klinischen Versuchen sollten in jedem Fall veröffentlicht werden – nicht nur erfolgreiche, sondern auch negative Versuchsresultate müssten publiziert werden.
  • Anreize schaffen zur Förderung der «nicht-lukrativen» Forschung: Mit einem «Forschungsrap­pen», einer Abgabe auf dem Umsatz des Medikamentenverkaufs in der Schweiz, soll die Human­forschung zu Gunsten von Kindern, Schwangeren, Behin­derten und bei seltenen Krankheiten geför­dert werden. Dies sind Bereiche, die vernachlässigt werden, weil sie für die Pharmaindustrie nicht lukrativ sind.
  • Gewährleistung des Datenschutzes: Dies betrifft in erster Linie die Biobanken und den Umgang mit geneti­schen Daten. Bei letzteren wird ausdrücklich die Einführung des «Rechts auf Nicht-Wissen» für die betroffenen Personen sowie eine Einschränkung der Einsichtnahme für die Versicherungen gefordert.
  • Mehr…

[TOP]

Vorgehen

Methode
Auf Zufallsbasis, aber nach demografischen Vorgaben (Region, Sprache, Alter, Geschlecht), wird eine grosse Anzahl an Bürgerinnen und Bürger auf das PubliForum aufmerksam gemacht. Aus den interessierten Personen wählen die Veranstalter rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus. Diese Gruppe, das «Bürgerpanel», bereitet sich während zweier Wochenenden auf das eigentliche PubliForum vor. Dabei formuliert sie die Fragen, welche Fachleuten aus den ausgewählten Gebieten vorgelegt werden sollen. Aufgrund dieser Vorarbeit bestimmen die Bürgerinnen und Bürger dann diejenigen Auskunftspersonen, welche sie befragen wollen. Es folgt der zweitägige Hauptanlass, zu dem sich auch die Fachleute vorbereiten können. Das Bürgerpanel setzt sich dann erneut zusammen, um die erhaltenen Antworten zu diskutieren und in einem Bericht zusammenzufassen. Der Bericht enthält einerseits eine umfassende Darstellung der oft kontroversen Antworten der Fachleute und andererseits eine Einschätzung der Bürgerinnen und Bürger. Diese formulieren darin auch konkrete Empfehlungen und Forderungen zu Handen des Parlaments.

Um eine transparente und neutrale Vorbereitung des PubliForums zu gewährleisten, hat TA-SWISS eine Gruppe von Fachpersonen eingesetzt, welche die Organisation des Projektes begleitete (siehe «Kontakte: Begleitgruppe»). Diese Begleitgruppe vereint Personen, welche Fachwissen und verschiedene Positionen hinsichtlich der Thematik «Forschung am Menschen» mitbringen. Unter dem Einbezug der Begleitgruppe wurde zudem eine Informationsbroschüre zum Thema «Forschung am Menschen» verfasst.

Zeitplan
Projektbeginn: Januar 2003 | Abschluss: Januar 2004

[TOP]

    Downloads

Medieninformation
26.01.04 Forschung am Menschen: Anreize schaffen und Versuchspersonen schützen
19.01.04 Bürgerinnen und Bürger stellen Fragen zur Forschung am Menschen
30.10.03 Bürger und Bürgerinnen befassen sich mit der Forschung am Menschen

Infobroschüre
26.01.04 PubliForum "Forschung am Menschen"

Bericht des Bürgerpanels
PubliForum "Forschung am Menschen"

[TOP]

Veranstaltungen

Tagung
01.03.07
Grossesse & Enfance: recherche difficile, mais nécessaire

  • Ort: Centre médical universitaire, Auditorium 250, Genf, 13.30 - 17.00h, freier Eintritt
  • Programm (PDF, 345 KB)

Referate

Dokumentation

17.02.06 Recherche impliquant des êtres humains

  • Ort: Auditoire César-Roux du CHUV Lausanne, 13.30 - 17.00h, freier Eintritt
  • Zielpublikum: Ärzte aus Forschung und klinischem Bereich, Spital-Administratoren, paramedizinisches Personal, Juristen, Ethiker, andere geistes- und sozialwissenschaftliche Forscher, Studenten der UNIL und HES aus der Krankenpflege
  • Programme(PDF, 373 KB)
  • Dokumentation: Bericht des Bürgerpanels "Forschung am Menschen" (PDF, 480KB)

Referate:

Gesprächsabende Wissenschaft - Wirtschaft - Politik
6 Gesprächsabende zur aktuellen politischen Agenda eröffnen partnerschaftlichen Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

  • Einladende: SAGW, TA-SWISS, Science et Cité, Swiss Re Centre for Global Dialogue, z-link
  • Ort: Swiss Re Centre for Global Dialogue, Rüschlikon

15.04.04 Flexibilität von Mensch und Arbeit
05.05.04 Zukunft der Sozialversicherung
01.06.04 Demographische Herausforderung
14.09.04 Forschung am Menschen: Zwischen Geld und Geist
07.10.04 Wissenschaft und Zivilgesellschaft
15.11.04 Carte Blanche

Bürger Vorbereitungs-Wochenenden

1./2.11.03
TeilnehmerInnen machen sich mit der Methodik des PubliForums und Thematik «Forschung am Menschen» vertraut.
6./7.12.03 Vorbereitung der Fragen der BürgerInnen und Auswahl der Auskunftspersonen fürs PubliForum

PubliForum-Veranstaltung

23./24.01.04
Öffentliche Schlussveranstaltung.
1. Teil: die eingeladenen Auskunftspersonen beantworten die Fragen der BürgerInnen
2. Teil: BürgerInnen formulieren "hinter verschlossene Türen" den Bericht.

26.1.04 Öffentliche Präsentation der Ergebnisse des Bürgerpanels

[TOP]

Kontakte

Trägerschaft
Folgende Organisationen bestimmten die Grundzüge des Projektes und beteiligten sich an seiner Finanzierung:

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS
  • Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW)
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG)
  • Gruppe für Wissenschaft und Forschung (GWF)

Beteiligte Personen

TA-SWISS Projektbetreuerinnen und -Betreuer

  • Dr. Sergio Bellucci, Geschäftsführer, TA-SWISS. E-mail
  • Dr. Adrian Rüegsegger, TA-SWISS. E-mail
  • Alexia Stantchev, TA-SWISS.

Begleitgruppe

  • Dr. Rosmarie Waldner, Wissenschaftsjournalistin, Zürich, Mitglied des Leitungsausschusses TA-SWISS (Präsidentin der Begleitgruppe)
  • Prof. Alberto Bondolfi , «Arbeitsstelle für Ethikunterricht der Medizinischen Fakultät», Universität Zürich, Mitglied der Expertengruppe zur Ausarbeitung des Gesetzesentwurfs «Forschung am Menschen»
  • Nationalrätin Rosmarie Dormann, Mitglied der Kommission Soziale Sicherheit und Gesundheit, Rothenburg
  • Prof. Matthias Egger, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Universität Bern
  • Dr. Silvia Käppeli, Leiterin des Zentrums für Entwicklung und Forschung in der Pflege, Universitätsspital Zürich und Mitglied der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin
  • Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Patienten-Organisation
  • Prof. Hans Kummer, Präsident der Kantonalen Ethikkommission beider Basel
  • Dr. Margrit Leuthold, Generalsekretärin der Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Basel
  • Prof. Thomas Lüscher, Abteilung Innere Medizin, Universität Zürich
  • Dr. Carola Meier-Seethaler, Mitglieder der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin
  • PD Dr. Kathrin Mühlemann, Institut für Infektionskrankheiten, Universität Bern und Mitglied im Vorstand der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften
  • Prof. Detlef Niese, Novartis Pharma AG, Basel
  • Prof. Dominique Sprumont, Directeur-adjoint de l'Institut de droit de la santé, Université de Neuchâtel
  • Dr. Francine Pellaud, Maître assistante en sciences de l'éducation, Université de Genève et membre du comité directeur de TA-SWISS

[TOP]

Links

Weiterführende Links

[TOP]

Project
Short Title: Forschung am Menschen
Long Title: PubliForum Forschung am Menschen
Short Description: Im Rahmen dieses PubliForums haben sich rund dreissig Bürger und Bürgerinnen während acht Tagen intensiv mit Fragen der Humanforschung auseinandergesetzt. Dies im Hinblick auf die bevorstehende Gesetzgebung zur Forschung am Menschen. In ihren Empfehlungen kommen sie unter anderem zum Schluss, dass Anreize zur Forschungsförderung im Bereich von Kindern, Schwangeren, Behinderten und seltenen Krankheiten geschaffen werden müssen.
Start: 2003
End: 2004
Partner Institutes:
Scope Countries:
Contact Person: Bellucci, Sergio
Home Page URL: http://www.ta-swiss.ch/publiforum-forschung-am-menschen
Focus:
Project Leader: TA-SWISS
Other Members:

Das Projekt in Kürze

Im Rahmen dieses PubliForums haben sich rund dreissig Bürger und Bürgerinnen während acht Tagen intensiv mit Fragen der Humanforschung auseinandergesetzt. Dies im Hinblick auf die bevorstehende Gesetzgebung zur Forschung am Menschen. In ihren Empfehlungen kommen sie unter anderem zum Schluss, dass Anreize zur Forschungsförderung im Bereich von Kindern, Schwangeren, Behinderten und seltenen Krankheiten geschaffen werden müssen.

Projekt: abgeschlossen (2004)

Produkte: Schlussbericht

Projektleitung: Alexia Stantchev, TA-SWISS

Buerger_ForschungAmMensch.jpg