Vorstudie zu den MOOC «massive open online courses»

Einführung

Worum geht es?

MOOC, Massive Open Online Courses, sind kostenlose, allgemein zugängliche Kurse auf Universitätsniveau, die über das Internet stattfinden. Die programmierte Datumsbegrenzung ermöglicht, dass der Inhalt der MOOC, d.h. das Ausbildungsprogramm, jeweils wochenweise freigeschaltet wird und dass auch die Prüfungen im Wochenrhythmus absolviert werden. Diese wöchentlichen Prüfungen erfolgen im Sinne einer fortlaufenden Lernkontrolle und sind, wie auch der obligatorische Abschlusstest, eine weitere Eigenschaft der MOOC. Je nach Modell kontrollieren die Studierenden die Arbeiten gegenseitig, oder aber diese werden durch die Unterrichtenden oder auch automatisch überprüft. Die Interaktivität unter den Studierenden ist ein zusätzliches Merkmal der MOOC.

Erste Einschätzungen

MOOC scheiden die Geister. Während manche der Ansicht sind, dass MOOC das Potenzial haben, das aktuelle Bildungssystem zu
revolutionieren, halten andere sie für ein simples didaktisches Lehrmittel aus dem Bereich des E-Learning. In welcher Hinsicht unterscheiden sich MOOC vom E-Learning? Oft werden MOOC als Instrument zur Demokratisierung der Bildung dargestellt, kann doch eine nahezu unbegrenzte Anzahl Personen an einem Kurs teilnehmen, insbesondere natürlich Studierende aus Entwicklungsländern, wo der Zugang zu qualitativ guter höherer Bildung sehr stark eingeschränkt ist. Diese Aussage muss jedoch genauer untersucht werden, denn gemäss ersten Befragungsergebnissen stammen die meisten MOOC-Teilnehmer aus Industrieländern. Ausserdem sind E-Learning-Projekte in Entwicklungsländern zuvor gescheitert, da sich in den meisten dieser Staaten bereits der Internetzugang als sehr schwierig gestaltet und die Internetverbindung meist nicht ausreicht, um die Videos korrekt abzuspielen. Vermögen MOOC also tatsächlich eine digitale Revolution in den Entwicklungsländern auszulösen?

Wieso eine TA-SWISS-Studie zu diesem Thema?

MOOC sind ein Phänomen, das in den Medien starke Aufmerksamkeit findet. Gross ist die Anzahl Beteiligter – und die Anzahl Kursangebote wächst unablässig weiter. Aufgrund der nationalen und internationalen Tragweite der MOOC stellen sich Fragen zu den wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und pädagogischen Herausforderungen des Hochschulunterrichts und der lebenslänglichen Weiterbildung.

In diesem Rahmen hat TA-SWISS entschieden, eine interdisziplinäre, prospektive Vorstudie in Auftrag zu geben, welche darlegen soll, welche TA-Herausforderungen mit dieser Art sozialer Technologie verbunden sind.

Zielsetzungen der Studie

Die Vorstudie soll einen generellen Einblick in die Entwicklungen im Bereich der MOOC geben und auch deren künftige Entwicklung
analysieren, mit Fokus auf die Chancen und Risiken für die höhere Bildung und die Fortbildung. Dabei ist insbesondere zwischen den erklärten Zielen der MOOC-Projektträger und der Realität der angebotenen Kurse zu unterscheiden. Die Vorstudie hat folgende Fragen zu beantworten:

  • Welches ist das reelle – aktuelle und künftige – Ausmass des Phänomens MOOC in der Schweiz sowie weltweit und was sind dessen wichtigste Merkmale?
  • Wer sind die beteiligten Akteure und welches ist ihre Motivation (international und in der Schweiz)?
  • Welchen positiven / negativen Einfluss haben die MOOC auf die Schweizer Bildungslandschaft? Wie lassen sie sich in das heutige System integrieren?
  • Welche Rolle spielt die eidgenössische und kantonale Politik bei den MOOC? Muss der rechtliche Rahmen, der die Bildung in der Schweiz reglementiert, angepasst und/oder ausgebaut werden? Sind weitere Aspekte zu berücksichtigen?

Vorgehen

Wie wurde vorgegangen?

Ziel der Vorstudie war es, potenzielle prospektive Szenarien im Zusammenhang mit MOOC auszuarbeiten. Erfolgt ist dies anhand der Analyse von Dokumentationsquellen, einer Auswertung der Fachliteratur und einer Umfrage bei Vertreterinnen und Vertretern von schweizerischen und ausländischen Gruppen von Akteuren.

Zeitplan

Die Durchfürung der Vorstudie fand von Februar bis August 2015 statt.

Resultate und Downloads

Obwohl das Thema ausgesprochen interessant ist und die Vorstudie es erlaubt hat, sehr viele aufschlussreiche Informationen zusammenzutragen, ist der Leitungsausschuss von TA-SWISS zum Schluss gelangt, dass das Phänomen MOOC für eine Technikfolgen-Abschätzung nicht genügend relevante Aspekte aufweist und eher von einem bildungspolitischen Standpunkt aus angegangen werden sollte.

Die Vorstudie (französisch mit deutscher Zusammenfassung) finden Sie hier.

Kontakte

Trägerschaft

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS

Beteiligte Personen

TA-SWISS Projekt-Betreuer

Projekt-Beauftragte

  • Prof. Dr. Bernadette Charlier, Centre de Didactique universitaire de Fribourg.
  • Dr. Nathalie Deschryver, Centre de didactique universitaire de Fribourg

Begleitgruppe

  • Dr. Hanna, Muralt-Müller, FSFA Fondation suisse pour la formation par l’audiovisuel
  • Dr. Sabine Felder, Leiterin Koordination Lehre, CRUS
  • Prof. Abraham Bernstein, Universität Zürich, Institut für Informatik
  • Prof. Dr. Alberto Bondolfi, Universität Genf
  • Heidi Blattmann, Wissenschaftsjournalistin, Zürich.

TOP

Links

Centre de Didactique Universitaire de Fribourg, http://www.unifr.ch/didactic/

Das Projekt in Kürze

Die Entwicklung der MOOC hat 2012 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht; ein Ende ist nicht in Sicht. Gross ist das Echo in der Presse, den sozialen Netzwerken und auf dem Internet; die wissenschaftlichen Arbeiten hingegen stecken noch in den Kinderschuhen. Entsprechend gross ist die Anzahl offener Fragen. Ziel und Zweck der Vorstudie war es, auf interdisziplinäre, prospektive Art darzulegen, welche TA-Herausforderungen mit dieser Art von sozialer Technologie verbunden sind.

Der nun vorliegende Bericht zeigt auf, dass das Phänomen MOOC eher von einem bildungspolitischen Standpunkt her angegangen werden sollte. TA-SWISS verzichtet deshalb auf die Durchführung einer umfassenden Technikfolgen-Abschätzung.

Projekt: Januar 2015 bis August 2015

Projektleitung: Prof. Dr. Bernadette Charlier, Directrice Centre de Didactique universitaire de Fribourg.

Resultat: Vorstudie