Studie «Medien und Meinungsmacht»

Einführung

Wandel in der Medienlandschaft

Die Digitalisierung der Medien hat zu einem grossen Wandel in der Medienlandschaft geführt und das Nutzungsverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten grundlegend verändert. Die Zahlungsbereitschaft der Nutzerinnen und Nutzer hat abgenommen, Information wird immer mehr in Gratisangeboten off- und online gesucht. Der daraus resultierende Einbruch von Werbe- und Abonnementseinnahmen in der Presse führt zu Kosteneinsparungen und hat letztlich zur Folge, dass die Qualität und Vielfalt der klassischen Medien deutlich zurückgeht. Gleichzeitig gewinnen branchenfremde Akteure wie Suchmaschinen und soziale Netzwerke zunehmend an Bedeutung.

Wieso eine TA-SWISS Studie zu diesem Thema?

Medien bieten einen kollektiven Zugang zu Information – fehlt dieser Zugang, können sich die Bürgerinnen und Bürger keine freie Meinung bilden. Die von den Medien vermittelten Informationen sind also eine wesentliche Grundlage für die demokratische Mitbestimmung. Dies stellt hohe Anforderungen an den politischen Journalismus eines Landes. Der Medienwandel und die Digitalisierung machen es dem Informationsjournalismus jedoch immer schwerer, seine Funktion zu erfüllen.

Die Medien können durch ihre Berichterstattung und öffentliche Diskussion Themenschwerpunkte (Agenden) setzen und das politische Geschehen beeinflussen. Die Vielfalt in der Medienlandschaft sichert dabei eine ausgewogene Berichterstattung, doch für den Pluralismus der Medien ist Konkurrenz erforderlich. Um die unterschiedlichen Strömungen der öffentlichen Meinung auszudrücken, werden mehrere Kanäle und die Meinungsäusserungen mehrerer Akteure benötigt. Eine Abnahme der Medienvielfalt birgt also die Gefahr einer übermässigen Meinungsmacht der grössten Verlagshäuser.

Für die Schweiz als direkte Demokratie ist eine Abnahme der Medienqualität und –vielfalt von besonders grosser gesellschaftlicher und politischer Bedeutung. Es stellt sich deshalb die Frage, wie sich qualitativ hochwertiger Journalismus künftig finanzieren soll.

Zielsetzungen der Studie

Die Studie untersucht das Zusammenspiel traditioneller und „neuer“ Medien bei der Informationsvermittlung und Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz. Dabei werden die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf die Setzung von Themenschwerpunkten (Agenda-Setting), die Geschäftsmodelle, Strategien und Investitionen von Medienunternehmen und die Bedeutung neuer Akteure für die politische Informationsvermittlung und Meinungsbildung untersucht.

  • Das Teilprojekt Agenda-Setting untersucht „alte“ und „neue“ Medien im Hinblick auf die politische Meinungsbildung. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der jüngeren Generation, die bezüglich künftiger Mediennutzungsgewohnheiten einen wichtigen Indikator darstellt. Zudem wird auf den Zusammenhang zwischen traditionellen Medien, Social Media und Suchmaschinen eingegangen und deren Informations- und Meinungsvielfalt untersucht.
  • Das Teilprojekt Geschäftsmodelle und Investitionen widmet sich den Investitionen grosser privater Schweizer Medienunternehmen und den Auswirkungen dieser Investitionen für die Produktion von Journalismus, etwa Interessenkonflikte zwischen gewählten Geschäftsmodellen und Strategien (z. B. Diversifikation, Data Mining) sowie der Berichterstattung.
  • Das Teilprojekt Akteure der Zukunft beschäftigt sich mit neuen Akteuren in der politischen Informationsvermittlung. Hierbei interessiert einerseits, welche Kanäle (journalistische Medien, Social Media etc.) junge Nutzerinnen und Nutzer verwenden, um sich über Politik zu informieren und welche Unterschiede es bezüglich Nutzung und Themenprioritäten zur Gesamtbevölkerung gibt. Für die politische Meinungsbildung dürften künftig aber auch „Voting Advice Applications“ wie smartvote wichtiger werden, deren Einfluss auf Bürger, Kandidierende und Parteien es näher zu untersuchen gilt.

Vorgehen

Wie wird vorgegangen?

Die Studie wird in drei Teilprojekten durchgeführt:

  • Im Teilprojekt Agenda-Setting werden Inhalts- und Verlinkungsanalysen (Medienagenda), Dokumentenanalyse (Politikagenda) und Befragung (Publikumsagenda) eingesetzt.
  • Die Analyse der Geschäftsmodelle und Investitionen basiert auf qualitativen Experteninterviews und Dokumentenanalysen.
  • Im Teilprojekt Akteure der Zukunft kommen eine repräsentative Online-Befragung Jugendlicher, eine Online-Befragung der smartvote-Nutzer/innen und der Kandidierenden bei den Nationalratswahlen 2015 sowie qualitative Interviews mit Parteipräsidenten und Medienschaffenden zum Einsatz.

Zeitplan

Beginn: Januar 2015, Abschluss März 2016

Resultate und Downloads

Bei Projektabschluss verfügbar

Veranstaltungen

Bei Projektabschluss verfügbar

Kontakte

Trägerschaft

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS
  • Bundesamt für Kommunikation

Beteiligte Personen

TA-SWISS Projekt-Betreuerin

  • Dr. Christina Tobler, TA-SWISS (E-Mail)

Projekt-Beauftragte

  • Prof. Dr Manuel Puppis (Projektleiter), Department für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, Universität Fribourg
  • Prof. Dr Michael Schenk, Department für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, Universität Fribourg
  • Prof. Dr Diana Ingenhoff, Department für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, Universität Fribourg
  • Prof. Dr Otfried Jarren, Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung, Universität Zürich
  • Prof. Dr Andreas Ladner, Institut für öffentliche Verwaltung, Universität Lausanne

Begleitgruppe

  • Thomas Müller, SRF; TA-SWISS-Leitungsaussschuss - Leiter der Begleitgruppe
  • Dr h.c. Moritz Leuenberger, Zürich, TA-SWISS-Leitungsausschuss
  • Prof. Dr Thomas Merz, Medienbildung, PH Thurgau
  • Prof. Dr Stephan Russ-Mohl, Kommunikationswissenschaft, Universität Lugano, Leiter des Europäischen Journalismus-Observatoriums
  • Dr Rosmarie Waldner, Wissenschaftsjournalistin
  • Sylvia Egli von Matt, ehemalige MAZ-Direktorin
  • Norbert Neininger, Schaffhauser Nachrichten, Vorstand SCHWEIZER MEDIEN (bis Mai 2015)
  • Dr Andrea Piga, SRF Programmstrategie / Markt- und Publikumsforschung
  • Alain Maillard, EDITO
  • Tibère Adler, Directeur romand Avenir Suisse
  • Dr Philip Kübler, Verein Medienkritik Schweiz, Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission
  • Marc-Henri Jobin, Centre de formation de Journalism
  • Christoph Zimmer, Kommunikation/Investor Relation Tamedia
  • Marcel Geissbühler, Gassmann Media AG
  • Jost Aregger, Bundesamt für Kommunikation

Links

Jahrbuch „Qualität der Medien“, fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich (http://www.foeg.uzh.ch/jahrbuch.html)

Das Projekt in Kürze

Die Medienlandschaft der Schweiz befindet sich in einer tief greifenden Transformation. Der strukturelle Wandel durch die Digitalisierung und abnehmende Zahlungsbereitschaft von Nutzerinnen und Nutzern stellen den Informationsjournalismus vor grosse Herausforderungen. In einer direkten Demokratie wie der Schweiz sind diese Veränderungen von grosser gesellschaftlicher und politischer Bedeutung. In der Studie wird die Entwicklung der Schweizer Medienlandschaft aus publizistischer, politologischer und ökonomischer Sicht beleuchtet. Dabei stehen die Schwerpunkte Agenda-Setting, Investitionen und entscheidende Akteure im Zentrum.

Projekt: Januar 2015 bis März 2016

Produkte: Schlussbericht und Kurzfassung

Projektleitung: Prof. Dr. Manuel Puppis, Department für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, Universität Fribourg