Nanotechnologien und ihre Bedeutung für Gesundheit und Umwelt 

publifocus (2006)


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Chancen und Risiken der Nanotechnologien

Nanotechnologien werden als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhundert bezeichnet. Es ist zu vermuten, dass sie unseren Alltag stark verändern und Auswirkungen auf die Umwelt haben werden. Bereits sind weltweit über 200 Nano-Produkte und rund 600 Nano-Werk- oder Zusatzstoffe auf dem Markt. Auch bei uns zu finden sind Sonnencremes und Zahnpasten mit Nanopartikeln, und infolge Nanotechnik antibakteriell wirkende Textilien und Spielzeuge. In Zukunft sollen Medikamente z.B. direkt in den Krebszellen wirksam werden oder Stoffe, die in Mikrogrösse isolierend, in Nanogrösse aber leitend sind, zu effizienten Energieträgern werden. Schier unbegrenzt scheinen die Anwendungen. Die International Association of Nanotechnology schätzt, dass 2006 weltweit die Investitionen ca. 4.3 Milliarden US Dollar in Nano-Forschung und -entwicklung betragen. Natürlich ist Nano daher auch ein Verkaufsargument. Aber nicht überall, wo «Nano» draufsteht (wie beim «iPod Nano» oder dem Haushaltspray «Nano-Magic»), ist auch «Nano» drin.

Andererseits enthalten Produkte auch Stoffe in Nanogrösse, ohne dass dies speziell deklariert ist. Denn eine Regelung im Umgang mit Nanopartikeln muss erst noch erarbeitet werden. In der Schweiz entwickeln BAG und BAFU dazu den «Aktionsplan synthetische Nanopartikel 2006 - 2009». Dies ist dringend nötig, denn toxikologische Untersuchungen zu synthetisch hergestellten Nano-Partikeln zeigen mögliche Gesundheitsrisiken auf. Was als Mikro-Partikel (Millionstel Meter) harmlos ist, kann als Nano-Partikel für Mensch und Umwelt bedenklich sein. Forschung, Industrie, Behörden und Assekuranz sind sich jedoch einig: Nanowissenschaften und -technologien müssen die mögliche Toxizität von gewissen Nanopartikeln und die daraus entstehenden Risiken für Mensch und Umwelt verstärkt erforschen.

Nanotechnologische Entwicklungen haben das Potenzial, zentrale Lebensbereiche unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu verändern. Dies wird auch Auswirkungen auf die Umweltsysteme haben. Nanotechnologien sind in der Öffentlichkeit erst wenig bekannt. Auch Fragen der Regulation werden in der Schweiz erst seit kurzem koordiniert angegangen. Die Politik verfolgt die technischen Entwicklungen aufmerksam. Studien helfen, Chancen und Risiken abzuwägen. Allenfalls nötige Gesetze müssen aber auch die Meinung der Bevölkerung einbeziehen. Wie nehmen sogenannte «Laien» die Nanotech-Diskussion wahr? Wo sehen Bürgerinnen und Bürger Chancen für sich, ihre Gesundheit und die Umwelt? Und wo liegen mögliche Risiken? Werden bei der Nano-Forschung ethische Grenzen überschritten? Braucht es eine Regulation oder eine einheitliche Deklaration? Das sind Fragen, die TA-SWISS mit zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern in allen drei Landesteilen in so genannten publifocus-Veranstaltungen diskutiert hat.

Ergebnisse

Die Meinungen der Teilnehmenden wurden in einem Bericht zusammengestellt. In den publifocus-Veranstaltungen werden keine Empfehlungen erarbeitet. Sie geben jedoch die Einschätzung der publifocus-Teilnehmenden wieder und zeigen, wo Spannungsfelder liegen.

Medieninformation
12.07.06 publifocus Nanotechnologien: Chancen und Risiken frühzeitig diskutieren
11.12.06 Was Laien über Nanotechnologien denken und was daraus folgt

Weiterführende Links

Organisation

Trägerschaft

  • Bundesamt für Gesundheit (BAG)
  • Bundesamt für Umwelt (BAFU)
  • Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW)
  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS)

Begleitgruppe

  • Prof. Philipp U. Heitz, Mitglied Leitungsausschuss TA-SWISS, Au/ZH (Präsident der Begleitgruppe)
  • Prof. Dr. Ueli Aebi, Mitglied Leitungsausschuss TA-SWISS, Strukturbiologe, NCCR Nanoscale Science, Biozentrum, Universität Basel
  • Dr. Sergio Bellucci, Geschäftsführer Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS), Bern
  • Dr. Stefan Durrer, Ressort Chemikalien und Arbeit, Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), Bern/Zürich
  • Dr. Thomas Epprecht, Risk Engineering Services, Swiss Re, Zürich
  • Prof. Dr. Peter Gehr, Direktor Institut für Anatomie, Medizinische Fakultät der Universität Bern
  • Brigit Hofer, Wirtschaftspolitik/Nachhaltigkeit COOP Schweiz, Basel
  • Prof. Dr. Georg Karlaganis, Chef Abteilung Stoffe, Boden, Biotechnologie, Bundesamt für Umwelt (BAFU), Bern
  • Dr. Hans G. Kastenholz, Leiter Innovations- und Technikanalyse, Abteilung Technologie und Gesellschaft, Empa, St. Gallen
  • Alain Kaufmann, Mitglied Leitungsausschuss TA-SWISS, Directeur Interface Sciences - Société, Université de Lausanne
  • Prof. Heinrich Kuhn, Leiter Kompetenzzentrum für Sicherheit und Risikoprävention (KSR), Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW), Winterthur
  • Dr. Monika Kurath, Wissenschaftlerin/PostDoc, Collegium Helveticum ETH Zürich und Programm für Wissenschaftsforschung/Soziologie der Universität Basel
  • Christa Markwalder Bär, Nationalrätin FDP, Burgdorf
  • Christian Pohl, network for transdisciplinarity in sciences and humanities (td-net), Akademie der Naturwissenschaften (scnat), Bern
  • Dr. Klaus Peter Rippe, Geschäftsführer Ethik im Diskurs GmbH, Zürich
  • Urs Spahr, Sektion biologische Sicherheit, Abteilung Biomedizin, Bundesamt für Gesundheit (BAG), Bern
  • Christof Studer, Sektion Industriechemikalien, Abteilung Stoffe, Boden, Biotechnologie, Bundesamt für Umwelt (BAFU), Bern
  • Barbara Vonarburg, Leiterin Redaktion Wissen, Tages-Anzeiger, Zürich
  • Josianne Walpen, Projektleiterin Bereich Lebensmittel/Kosmetika, Stiftung für Konsumentenschutz, Bern
  • Steffen Wengert, Leiter Sektion Vermarktete Stoffe, Abteilung Chemikalien, Direktionsbereich Verbraucherschutz, Bundesamt für Gesundheit (BAG), Bern

Projektbeauftragte

  • Dr. Herbert Cerutti, Wissenschaftsjournalist, Verfasser Informationsbroschüre
  • Lucienne Rey , Texterey, Protokolle publifocus-Veranstaltungen und Verfasserin Schlussbericht

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