Pharmacogenomics 

Expertenstudie (2003-2004)


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Chancen und Risiken der Pharmakogenetik und Pharmakogenomik

Die Anwendung der Analyse des menschlichen Erbguts zur Verbesserung der Wirksamkeit bestehender Medikamente und zur Vermeidung von Nebenwirkungen ist viel versprechend. Auch von der Entwicklung neuer, auf den Kenntnissen des menschlichen Erbguts beruhender Medikamente verspricht man sich wirksamere Therapien.

Bevor «pharmakogenetische» Medikamente verabreicht würden, müsste mit Hilfe genetischer Tests bei jedem Patienten bzw. jeder Patientin geprüft werden, ob von einer guten Wirksamkeit bzw. Verträglichkeit des Heilmittels ausgegangen werden kann. Doch solche Tests lassen keine absolut verlässlichen Aussagen zu. So muss der Arzt anhand einer Wahrscheinlichkeitsaussage entscheiden. Zusätzliche Gentests rufen auch Bedenken wach im Hinblick auf den Umgang mit den erhobenen Daten.

Wieso eine TA-SWISS-Studie «Pharmakogenetik und -genomik»?

Im Zusammenhang mit der Analyse des Genoms des Menschen wurde eine neue, «Genom-basierte» Medizin in Aussicht gestellt. Die Kenntnis des seit 2001 praktisch vollständig entschlüsselten Erbguts des Menschen hat die Möglichkeiten der Diagnostik bereits erheblich erweitert. Doch neue Therapien dürften länger auf sich warten lassen als ursprünglich erhofft. Pharmakogenetik und Pharmakogenomik sind allerdings Bereiche, die schon bereit sind für die Anwendung. Dieser Praxisbezug hat TA-SWISS dazu veranlasst, eine Studie durchzuführen.

Ergebnisse der Studie

  • Die Autoren und Autorinnen der TA-SWISS Studie sehen bei den Biobanken gesetzlichen Regelungsbedarf und empfehlen strenge datenschutzrechtliche Bestimmungen.
  • Im weiteren sollen die Begleitforschung über die ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte von Biobanken sowie die Datensicherheit im akademischen Bereich verstärkt werden.
  • Der Umgang mit so genannten Überschussinformationen, d.h. Aussagen über die Veranlagung zu bestimmten Krankheiten, die gar nicht Gegenstand der Untersuchung waren, ist bis heute in der Schweiz nicht geregelt. Ebenso fehlen weitgehend Regeln im Umgang mit Biobanken. Die gesetzlichen Leitplanken könnten im kommenden Humanforschungsgesetz oder im Bundesgesetz über genetische Untersuchungen am Menschen festgelegt werden.
  • Aufgrund der absehbaren Entwicklung der Pharmakogenomik sollte der Umgang mit Arzneimitteln für seltene Krankheiten mit kleinen Patientengruppen und entsprechend kleinen Märkten (so genannte «Orphan Drugs») in der Gesetzgebung wesentlich stärker als bisher berücksichtigt werden.
  • Schliesslich empfiehlt die TA-SWISS Studie neben einer verstärkten Aus- und Weiterbildung der Ärztinnen und Ärzte auch einen breiteren öffentlichen Diskurs über die aufgeworfenen zentralen Fragen der Gesundheitspolitik.

Organisation

Trägerschaft

  •  Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS

Projektbeauftragte

  • Dr. Klaus Peter Rippe , Ethiker, Ethik im Diskurs GmbH, Zürich (Projektleiter)
  • Andreas Bachmann, Philosoph, Ethik im Diskurs GmbH, Zürich (Projektmitarbeiter)
  • Dr. Karin Faisst, Ärztin, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Universität Zürich (externe Mitarbeiterin)
  • Dr. Willy Oggier, Ökonom, Gesundheitsökonomische Beratungen AG, Zürich (externer Mitarbeiter)
  • Dr. Christiane Pauli-Magnus, Ärztin, Klinische Pharmakologie und Toxikologie, Universitätsspital Zürich (externe Mitarbeiterin)
  • Dr. Nicole Probst-Hensch, Pharmazeutin und Epidemiologin, Molekulare Epidemiologie / Krebsregister, Universitätsspital Zürich (externe Mitarbeiterin)
  • Marion Völger, Juristin, Rechtsabteilung der ETH Zürich (externe Mitarbeiterin)

Begleitgruppe

  • Sibylle Ackermann , Theologin, Departement für Moraltheologie und Ethik, Universität Fribourg
  • Prof. Raymond Auckenthaler, Arzt, Unilabs S.A., Genf
  • Dr. Willi Conrad, Arzt, Labor Bio-Analytica AG, Luzern
  • Dr. Dorothée Foernzler, Biologin, Roche Genetics, F. Hofmann-La Roche Ltd., Basel
  • Prof. Oreste Ghisalba, Mikrobiologe, Novartis Pharma AG, Basel (Präsident der Begleitgruppe)
  • Prof. Peter Meier-Abt, Pharmakologe, Klinische Pharmakologie und Toxikologie, Universitätsspital Zürich
  • PD Dr. Stefan Mühlebach, Apotheker, Spitalapotheke Kantonsspital Aarau
  • Prof. Dario Neri, Biochemiker, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, ETH Zürich
  • Dr. Beat Ochsner, Jurist, Krankenversicherung ÖKK, Basel
  • Prof. Beat Sitter-Liver, Ethiker, Bern
    Pascale Steck, Biologin, Basler Appell gegen Gentechnologie, Basel
  • Jean-Luc Vonnez, Wissenschaftsjournalist, Rédaction Médecine et Hygiène, Le Temps, Genf
  • Prof. Samuel Vožeh, Arzt, Geschäftsbereich Rezeptpflichtige Arzneimittel, Swissmedic, Bern

Projektmanagement TA-SWISS

  • Dr. Adrian Rüegsegger, TA-SWISS. E-mail

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