Das Vorsorgeprinzip in der Informationsgesellschaft

Auswirkungen des Pervasive Computing auf Gesundheit und Umwelt, Expertenstudie (2002-2003)


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Chancen und Risiken von «Pervasive Computing»
Die Vorteile dieser neuen technologischen Entwicklungen bestehen in der Optimierung der Kommunikationsprozesse und des wirtschaftlichen Potenzials.

Die totale Vernetzung von Mensch und Maschine bringt aber auch Nachteile. Durch ein grösseres Ausmass an elektromagnetischen Feldern besteht die Gefahr von Gesundheitsschäden. Dazu kommt ein erhöhter Energiekonsum und eine grössere Abfallproduktion.

Wieso eine TA-SWISS-Studie «Pervasive Computing»?
Aufgrund ihrer – zum Teil heute noch nicht bekannten – Risiken müssen die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien in einen Denkprozess gebettet werden, der vom Vorsorgeprinzip geleitet wird und zugleich ihr Potenzial wahrnimmt.

Erhöhter Komfort und noch effizientere Informationsübertragung sind vielversprechende Aussichten. Die TA-SWISS Studie über Pervasive Computing und das Vorsorgeprinzip in der Informationsgesellschaft weist auf Chancen sowie Risiken dieser Entwicklung hin und gibt Empfehlungen für einen frühzeitigen und vertieften Umgang mit den technologischen Trends.

Ergebnisse der Studie

Zweischneidige Folgen für die Gesundheit…
Die sich heute abzeichnenden Möglichkeiten durch immer kleiner werdende Mikroprozessoren sind im Bereich der Pflege und der Medizin vielversprechend. Insbesondere chronisch kranke Menschen könnten dereinst von den Möglichkeiten der Fernüberwachung bis hin zum implantierbaren Chip profitieren. Aber auch in der Chirurgie wecken Eingriffsmöglichkeiten mit mikroskopisch kleinen Operationsrobotern oder elektronischen «Sinnesprothesen» für Gehörgeschädigte und Blinde grosse Hoffnungen. Wie sich allerdings die Belastung durch Signale des drahtlosen Datenaustausches – die nichtionisierenden Strahlen (NIS) – auf unsere Gesundheit auswirken wird, ist heute noch zuwenig bekannt. Mit der Durchdringung unseres Alltags durch «schlaue Gegenstände» wird die Anzahl der NIS Quellen markant zunehmen. Zwar handelt es sich dabei um schwache Strahlungsdosen aber die Exposition wird häufig sehr nahe am menschlichen Körper und rund um die Uhr erfolgen.

… und für die Umwelt
Die immer kleiner und leichter werdenden elektronischen Bestandteile der Computer versprechen Einsparungen beim Materialverbrauch. Dies ist aus ökologischer Sicht begrüssenswert. Unter dem Strich könnte aber dieser Einsparungseffekt kompensiert oder gar überkompensiert werden, durch die riesige Zahl der mit Elektronik durchsetzten Gegenstände. Diese Entwicklung ist heute noch schwer absehbar. Die Fachleute sprechen dabei von einem Rebound-Effekt. Die Verkleinerung und Einbettung der Komponenten in andere Gegenstände wie z.B. Verpackungen würde zudem die ohnehin anstehende Entsorgungsproblematik für den zukünftig anfallenden Elektronikschrott weiter zuspitzen. Ein Rebound-Effekt könnte sich ebenso beim Energieverbrauch anbahnen. Zwar ist absehbar, dass elektronische Geräte, die ihren Energiebedarf auf die gegebenen Umstände optimal abstimmen, als Einzelne weniger Strom fressen als ihre weniger smarten Vorgängermodelle. Werden indes immer mehr Gegenstände drahtlos vernetzt, wird hierfür eine unterbrechungsfrei betriebene Netzwerk-Infrastruktur benötigt, deren Stormverbrauch zunimmt.

Die Informationsgesellschaft ist verwundbar
Die individualisierten digitalen Dienstleistungen durch elektronische Gegenstände sind in ihren Wirkungen zweischneidig. Den einen werden sie einen Gewinn an Sicherheit und Lebensqualität bieten, bei anderen hingegen die Befürchtung vor Überwachung und digitaler Bevormundung wecken. Die TA-SWISS Studie zeigt, dass wir in der zukünftigen Informationsgesellschaft noch verwundbarer sein werden.

Medieninformation

28.09.05 Technologieschub Pervasive Computing: Dialog über Chancen und Risiken
23.09.03 Gegenstände - Folgen für Mensch und Umwelt

Zum Thema erschienen

  • Danielle Bütschi et Lorenz Hilty, 2003. „Société de l’information et développement durable: le couple impossible?“, in La Revue Durable, No 8, décembre 2003-janvier 2004.
  • Human and Ecological Risk Assessment Review, Vol. 10, No5, 2004: Special section on „Human and environmental Impacts of pervasive computing“.
  • IEEE Technology and Society Review, Vol. 24, No1, spring 2005: Special issue on Sustainable pervasive computing
  • Danielle Bütschi et Andreas Köhler, 2005. „Pervasive Computing: Vorsicht ist geboten“, in Technikfolgenabschätzung – Thoerie und Praxis, Nr 1, 14. Jg., März 2005.
  • SwissRe, IBM, TA-SWISS, 2006, Exploring the Business and Social Impacts of Pervasive Computing, March 2006

Organisation

Trägerschaft

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS
  • Bundesamt für Gesundheit BAG
  • Bundesamt für Kommunikation BAKOM
  • Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL

Projektleiter

  • Prof. Dr. Lorenz Hilty, Eidgenössische Materialprüfung- und Forschungsanstalt (EMPA)

Projekt-Beauftragte

  • Siegried Behrendt, Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin
  • Prof. Dr. Mathias Binswanger, Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz, Olten
  • Dr. Ir. Arne Bruinink, Eidgenössische Materialprüfung- und Forschungsanstalt (EMPA)
  • Derek Christie, Communication in Science, Genève
  • Lorenz Erdmann, Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin
  • Dr. Jürg Fröhlich, IT'IS, ETH Zürich
  • Dr. York Lunau, Institut für Wirtschaftsethik, IWE-HSG
  • Andreas Kohler, Eidgenössische Materialprüfung- und Forschungsanstalt (EMPA)
  • Prof. Dr. Niels Kuster, IT'IS, ETH Zürich
  • Pierre-André Magnin, Communication in Science, Genève
  • Claudia Som, Eidgenössische Materialprüfung- und Forschungsanstalt (EMPA)

Begleitende ExpertInnen

  • Bernard Aebischer , Centre for Energy Policy and Economics, ETHZ
  • Jürg Baumann, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft
  • Carmen Baumeler, Institut für Elektronik, ETHZ
  • Sabine Brenner, Bundesmat für Kommunikation
  • Dr. Regula Gysler, Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz
  • Prof. Albert Kündig, Inst.f.Techn.Informatik u.Kommunik.Netze, ETHZ und TA-Leitungsauschuss
  • Prof. Peter Leuthold, Institut für Kommunicationstechnik, ETHZ
  • René Longet, Schweizerische Gesellschaft für Umweltschutz
  • Dr. Mirjana Moser, Bundesamt für Gesundheitswesen
  • Prof. Beat Sitter-Liver, Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
  • Walter Steinlin, Swisscom

Projektmanagement TA-SWISS

  • Dr. Danielle Bütschi, TA-SWISS

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