Studie «Nanotechnologie in der Medizin»
(2001-2003)

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Einführung

Was ist Nanotechnologie?
Die Nanotechnologie befasst sich mit Strukturen, die kleiner als 100 Nanometer sind. Ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter. Die Nanotechnologie gilt als eine der Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, weil sie neue Möglichkeiten für die gezielte Verwendung kleinster Strukturen bietet. In einigen Bereichen gibt es bereits praktische Anwendungen, beisieplsweise bei der Veredelung von Oberflächen. Doch in Zukunft dürften viele weitere Möglichkeiten hinzukommen, so auch in der Medizin.

Chancen und Risiken der Nanotechnologie in der Medizin
Schneller, früher und genauer sollen Krankheiten dank den Nanowissenschaften diagnostiziert werden können. Auch verbesserte Therapien werden mittel- und langfristig in Aussicht gestellt. Doch neben Chancen birgt die Nanotechnologie auch Risiken. Wie sicher ist beispielsweise die Anwendung von Nanopartikeln im menschlichen Körper? Über allfällige schädliche Eigenschaften dieser Substanzen (Nanotoxizität) weiss man noch wenig.

W ieso eine TA-SWISS Studie «Nanotechnologie in der Medizin»?
Die Erwartungen sind gross, die Realisierungschancen ungewiss und die finanziellen Mittel, die in entsprechende Forschungsprojekte fliessen beträchtlich. Die Studie soll nun abklären, welche Anwendungen der Nanotechnologie in der Medizin mittel- und langfristig zu erwarten sind und welche Auswirkungen damit verbunden sind. Der Zeithorizont der Untersuchung reicht bis 2020.

Zielsetzungen der Studie

  • Überblick über derzeitige und zukünftige Anwendungsbereiche der Nanotechnologie in der Medizin schaffen.
  • Mittelfristig realisierbare Anwendungen von visionären Ideen trennen.
  • Medizinische, gesellschaftliche und ethische Aspekte der Nanotechnologie bei mittelfristig realisierbaren Anwendungen aufzeigen.
  • Erörtern, welche möglichen Kontroversen und Konfliktpotenziale bei der Anwendung der Nanotechnologie in der Medizin auftreten könnten.
  • Bestehende Regelungen hinsichtlich der zu erwartenden nanotechnologischen Anwendungen auf allfällige Defizite überprüfen.
  • Eine Diskussion zu humanwissenschaftlichen, gesellschaftspolitischen, kulturellen, rechtlichen und weiteren Konsequenzen führen.
  • Empfehlungen für Forschung, Ärzteschaft, Patienten und Patienten und Politik erarbeiten.

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Resultate

Ergebnisse der Studie
Die befragten Fachleute erwarten bis 2010 vor allem im Bereich der Diagnose von Krankheiten markante Fortschritte: Diagnosen werden schneller, können schon im Frühstadium einer Krankheit gestellt werden und liefern genauere Resultate als bisher. Dank den Ergebnissen der Nanowissenschaften sollten nach Einschätzung der Experten auch Therapien bis 2020 markant verbessert werden können. In erster Linie erhofft man sich Fortschritte in der Früherkennung und Behandlung von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viralen Infektionen. Allerdings werden die Möglichkeiten der Nanotechnologie heute insgesamt wohl eher überschätzt – so dürften die viel zitierten Nanoroboter noch sehr lange ins Reich der Science Fiction gehören. Was die Risiken betrifft, weist die Hälfte der befragten Fachleute auf die Möglichkeit hin, dass direkt angewendete Nanopartikel in der Medizin giftig sein könnten (Nanotoxitzität). So scheint es etwa möglich, dass sogar die schwer überwindbare Blut-Hirnschranke durch Nanopartikel umgangen werden könnte. Weitere Unsicherheiten bestehen im Hinblick auf eine nanotechnologisch verbesserte Gendiagnostik: Die bereits aus der herkömmlichen Gen­diagnostik bekannten Probleme könnten sich verschärfen. Dies betrifft beispielsweise die prädiktiven Tests, welche Vorhersagen über Krankheitsrisiken erlauben.

Empfehlungen

  • Die Autoren der TA-SWISS Studie empfehlen die Einrichtung eines interdis­ziplinären, unabhängigen Fachgremiums zur Beurtei­lung und zur frühzeitigen Abschätzung möglicher Folgen der Nanotech­nologie.
  • Ein solches Gremium sollte sich der Förderung der Risikoforschung und der permanenten Begleitforschung betreffend Akzeptanz, Missbrauchspotenzialen, sowie ethisch-moralischen Fragen annehmen.
  • Zusätzlich hätte ein entsprechendes Gremium die Diskussion zwischen Forschung, Unternehmen, Politik und Öffentlichkeit einzuleiten.

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Vorgehen

Methode
Die Ergebnisse beruhen auf einer internationalen, schriftlichen Befragung von über 70 Fachpersonen aus unterschiedlichen Disziplinen. Die Befragung wurde mit der so genannten «Mini-Delphi»-Methode durchgeführt.

Zeitplan
Projektbeginn: Oktober 2001 | Abschluss: Winter 2003/04

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Downloads

Medieninformation
08.12.03 Nanotechnologie in der Medizin - Hoffnung auf präzisiere Diagnosen

Kurzfassung
Die Bausteine der Natur in Griffweite gerückt

Studie
Nanotechnologie in der Medizin. Studie des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung, TA-47/2003, Walter Baumgartner, Barbara Jäckli, Bernhard Schmithüsen, Felix Weber, Bern, 2003

Zum Thema erschienen
siehe unter Weiterführende Links

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Veranstaltungen

Parlamentarier/innen Lunch
08.12.03 Präsentation der Resultate aus der Studie «Nanotechnologie in der Medizin»

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Kontakte

Trägerschaft

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS

Beteiligte Personen

Projekt-Beauftragte

  • Dr. Walter Baumgartner, Basics AG, Zürich (Projektleiter)
  • Barbara Jäckli, Basics AG, Zürich (Mitarbeiterin)

Unter Mitarbeit von

  • Bernhard Schmithüsen
  • Felix Weber
  • Cosima Borrer
  • Claudia Bucher
  • Marietta Hausmann

Begleitgruppe

  • Prof. Dr. Philipp U. Heitz, TA-SWISS Leitungsausschuss (Präsident der Begleitgruppe)
  • Dr. Markus Ehrat , Zeptosens AG
  • Dr. Hans-Joachim Güntherodt, Universität Basel, Institut für Physik
  • Karl Höhener, Temas AG
  • Margrit Kessler, Schweizerische Patienten-Organisation (SPO)
  • Bernhard Nievergelt, Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Universität Zürich
  • Dr. med Flavia Schlegel, Bundesamt für Gesundheit, Abt. Gesundheitspolitik, Forschung und Bildung (bis Mitte 2002)
  • Dr. Andrea Arz de Falco, Bundesamt für Gesundheit (ab Mitte 2002)
  • Herr Prof. Hans-Peter Schreiber, TA-SWISS Leitungsausschuss
  • Dr. Louis Tiefenauer, Paul Scherrer Institut, Laboratory for Micro- & Nanotechnology
  • Barbara Vonarburg, Tages-Anzeiger, Redaktion Wissen
  • Tatjana Weidmann-Hügle, Universität Zürich
  • Prof. Christiane Ziegler, Universität Kaiserslautern (D), Kompetenzzentrum Nanotechnologie CC NanoChem

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Links

Weiterführende Links

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Project
Short Title: Nano in der Medizin
Long Title: Studie «Nanotechnologie in der Medizin»
Short Description: Die Erwartungen sind gross, die Realisierungschancen ungewiss und die finanziellen Mittel, die in entsprechende Forschungsprojekte fliessen beträchtlich. Die Studie soll nun abklären, welche Anwendungen der Nanotechnologie in der Medizin mittel- und langfristig zu erwarten sind und welche Auswirkungen damit verbunden sind. Der Zeithorizont der Untersuchung reicht bis 2020.
Start: 2001
End: 2003
Partner Institutes:
Scope Countries:
Contact Person: Rüegsegger, Adrian
Home Page URL: http://www.ta-swiss.ch/nanotechnologie-in-der-medizin
Focus:
Project Leader: TA-SWISS
Other Members:

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Die neue Technik gestattet es in Prozesse einzugreifen, die bis jetzt der belebten Natur vorbehalten waren.