Menschliche Stammzellen

Expertenstudie (2001-2002)


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Chancen und Risiken bei menschlichen Stammzellen

Die Anwendung von Stammzellen verspricht grosse Chancen für die Therapie von Krankheiten, die durch die Fehlfunktion einzelner Zelltypen verursacht werden. Dies betrifft bisher kaum therapierbare Erkrankungen wie die Alzheimer’sche oder die Parkinson’sche Krankheit, aber auch Leiden wie Diabetes, bei denen es zwar eine wirksame Behandlung gibt, welche aber die Ursache der Krankheit nicht behebt.

Menschliche embryonale Stammzellen werden meist aus wenigen Tage alten «überzähligen» menschlichen Embryonen gewonnen, welche im Rahmen der Fortpflanzungsmedizin nicht mehr benötigt werden. In Zukunft könnte auch das so genannte « therapeutische Klonen » zu einer wichtigen Methode werden, um solche Stammzellen zu gewinnen. Gegen beide Verfahren gibt es allerdings Einwände aus ethischer Sicht.

Wieso eine TA-SWISS-Studie «Menschliche Stammzellen»?

Die Gewinnung menschlicher embryonaler Stammzellen ist umstritten, weil zu diesem Zweck wenige Tage alte Embryonen zerstört werden müssen. Wie weit darf die Forschung gehen? Dies hängt auch davon ab, wie es um die Chancen steht, dass sich die erhofften neuen Therapiemöglichkeiten dereinst verwirklichen lassen. Um die Situation besser beurteilen zu können, werden in der Studie entsprechende Fragen abgeklärt.

Ergebnisse der Studie

Mögliche Anwendungsgebiete für menschliche Stammzellen erhoffen sich die Forschenden vor allem in der Zellersatztherapie und im Tissue Engineering. Vor dem Hintergrund einer steigenden Lebenserwartung gewinnt die Entwicklung neuer Therapien für degenerative Erkrankungen (z.B. Alzheimer), für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, für Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Parkinson, Multiple Sklerose) und für Krebs (z.B. Leukämien) zunehmend an Bedeutung.

Die Stammzellforschung steckt allerdings noch in den Anfängen. Mehrere wissenschaftlich-technische Hürden im Zusammenhang mit einem allfälligen zukünftigen therapeutischen Einsatz von menschlichen embryonalen Stammzellen sind absehbar: So muss eine genügenden Qualität der differenzierten Zelltypen erreicht werden, zudem muss vermieden werden, dass durch die Zelltherapie Tumoren entstehen.

Die Regelungen der Stammzellforschung verlangen eine Neubeurteilung des moralischen Status des menschlichen Embryos. Dies dürfte Konsequenzen auf den Umgang mit menschlichen Embryonen und Feten in anderen Bereichen haben. Beispielsweise für die Pränataldiagnostik, die Frage des Schwangerschaftsabbruchs, die Präimplantationsdiagnostik oder die Transplantationsmedizin und die biomedizinische Forschung im allgemeinen.

Empfehlungen

  • Die Forschung sollte sich nicht einseitig auf die embryonalen Stammzellen ausrichten, sondern alle Typen von Stammzellen und auch andere Optionen von Zelltherapien im Auge behalten.
  • In der pluralistischen Gesellschaft wird es keinen vollkommenen Konsens in der Frage zum moralischen Status des Embryos geben. Der gesellschaftliche und politische Diskurs ist deshalb besonders wichtig, wenn es darum geht, die Fragen rund um die Stammzellenforschung zu regeln.
  • Der Bericht zeigt zwei Wege auf, wie die Stammzellenforschung in der Schweiz geregelt werden könnte: Eine Variante, welche die Gewinnung solcher Zellen – unter strengen Auflagen – in der Schweiz erlaubt, und eine Variante, die nur den Import solcher Zellen zulässt.

Weiterführende Links

Webseite des Bundesamtes für Gesundheit zum Thema menschliche Stammzellen und zur rechtlichen Situation dazu

Executive Summary
23.04.03 Studie Menschliche Stammzellen

Arbeitsdokument
27.12.01 Forschung am Menschen: Bericht zum Expertenhearing

Organisation

Trägerschaft

  • Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS
  • Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW)

Projekt-Beauftragte

  • Dr. Bärbel Hüsing , Biologin, Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe (Projektleiterin)
  • Rainer Frietsch, Sozialwissenschafter, Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe (Projektmitarbeiter)
  • Dr. Sybille Gaisser, Biologin, Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe (Projektmitarbeiterin)
  • Dr. Klaus Menrad, Agronom, Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe (Projektmitarbeiter)
  • Prof. Dr. Eve-Marie Engels, Philosophin, Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften Eberhard-Karls-Universität Tübingen.(externe Mitarbeiterin)
  • Dr. Beatrix Rubin, Biologin, Institut für Angewandte Ethik und Medizinethik, Universität Basel (externe Mitarbeiterin)
  • Prof. Dr. Rainer J. Schweizer, Jurist, Forschungsgemeinschaft für Rechtwissenschaft, Universität St-Gallen (externer Mitarbeiter)

Begleitgruppe

  • Sybille Ackermann, Theologin, Institut d'Ethique et des droits de l'homme, Université de Fribourg.
  • Prof. Kurt Bürki, Biologe, Institut für Labortierkunde, Universität Zürich.
  • Dr. Reto Guetg, Arzt, Santésuisse, Solothurn.
  • Dr. Uwe Junker, Artz, Novartis Pharma AG, Basel.
  • Dr. Margrit Leuthold, Biologin, Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Basel, Präsidentin der Begleitgruppe
  • Prof. Alex Mauron, Biologe/Ethiker, Unité de Recherche et d'Enseignement en Bioéthique, Université de Genève.
  • Prof. Catherine Nissen-Druey, Ärztin, Experimentelle Hämatologie, Dept. Forschung, Kantonspital Basel.
  • Prof. Hans-Peter Schreiber, Ethiker/Philosoph, Ethik-Stelle, ETH, Zürich.
  • Dr. Verena Schwander, Juristin, Bundesamt für Gesundheit, Bern.
  • Verena Soldati, Biologin, Basler Appell gegen Gentechnologie, Basel

Projektmanagement TA-SWISS

  • Dr. Adrian Rüeggsegger, TA-SWISS. e-mail

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