Bern, 27. Juni 2011                                     

Jugendliche unterschätzen den Marktwert ihrer Datenspuren

Jugendliche sind keine Technikfreaks, selbst wenn sie Internet intensiv nutzen. Sie kennen die Regeln für sicheres Surfen. Hingegen ist ihnen nicht bewusst, dass ihre Datenspuren gezielt vermarktet werden. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht von TA-SWISS (Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung), der die Gespräche von rund 100 Jugendlichen auswertet.

 Jugendliche nutzen das Internet ausgiebig. Besonders im Facebook treffen sie ihre Freunde. Doch ersetzt das keineswegs die direkten Sozialkontakte. Die «Digital Natives», die an den von TA-SWISS organisierten Diskussionen teilgenommen haben, räumen selbst ein, zu viel Zeit online zu verbringen: Internet sei ein ungeheuer bequemer, preisgünstiger Zeitvertreib. Hinter die Nutzeroberfläche zu sehen, interessiert die wenigsten. Abgesehen von den Aktivitäten in sozialen Netzwerken und auf YouTube stellen nur wenige weitere Inhalte ins Netz.

Jugendliche sind vorsichtig beim online Bezahlen
Schülerinnen und Schüler versicherten, die Gefahren des Internets längst zu kennen. Am meisten fürchten Jugendliche um ihr knappes Geld und bezahlen deshalb lieber nicht übers Internet. Hingegen glauben sie nicht, dass ein verfängliches Foto auf dem Internet ihre Zukunft ruinieren könnte. Sie akzeptieren zwar keine unbekannten Freunde auf ihrer Facebook-Seite. Höchstens Freunde von Freunden – ohne darüber nachzudenken, dass das bereits etwas unvorsichtig ist.

 Eltern sollen klare Grenzen setzen
Jugendliche sehen im Internet gewisse Gefahren, etwa im Zusammenhang  mit schockierenden Inhalten, Gewaltdarstellungen oder gefährlichen Personen. Zumindest ihre jüngeren Geschwister wollen sie davor schützen. Die Schule könne aber ruhig darauf verzichten, ihnen die Regeln für ein sicheres Surfen im Internet beizubringen, da sie diese schon kennen. Vielmehr sollen Eltern ihren Kindern klare, auch zeitliche Grenzen setzen, damit der Internetkonsum nicht ausufere, fordern die 15 bis 18-Jährigen. 

Auch ein Generationenkonflikt
Der Bericht über die «Digital Natives» zeigt, dass Jugendliche weniger naiv mit dem Internet umgehen als Erwachsene im Rahmen eines früheren TA-SWISS-Projekts befürchteten, auch punkto Sicherheit. Forderten diese darin, dass ausgebildete Spezialisten Kindern und Jugendlichen den sicheren Umgang mit dem Internet lehren müssten, geben die Jugendlichen an, das Meiste zu kennen. Das Risiko des Internets, aber auch den Umgang damit, beurteilen die zwei Generationen also klar unterschiedlich. 

Medienbildung ist trotzdem angebracht
Selbst wenn Jugendliche mittlerweile äusserst selbstverständlich mit dem Internet umgehen, ist eine gute Medienbildung nicht überflüssig. Denn sie blenden aus, dass hinter sozialen Netzwerken und Gratis-Dienstleistungen knallharte Businessmodelle stehen, und dass sie Teil eines hart umkämpften Markts sind. Die Ausbildung im Bereich der neuen Medien müsste Jugendlichen daher aufzeigen, dass das Risiko bei der Internetnutzung längst nicht nur damit zu tun hat, was der Einzelne preisgibt.

Links zu weiteren Informationen

Bericht Digital Natives. Wie braucht die «Generation Internet» das Internet?» TA-SWISS (Hrsg.). Bern 2011.

Infos zum TA-SWISS-Projekt «Internet der Zukunft» und seinen Publikationen:

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