Bern, 19. Juni 2012

Wo bin ich?

Vereinfachte Positionierung, erleichterte Unfallhilfe, Optimierungen im Transportbereich: Ortungstechnologien bieten zahlreiche Vorteile. Immer öfter werden Ortungsdaten deshalb zu einer Grundlage für innovative Geschäftsmodelle und Dienstleistungen. Der Umgang mit privaten Geodaten birgt aber auch Risiken. Umstritten ist insbesondere die Verwendung von standortbezogenen Informationen für Marketing- oder Überwachungszwecke. Mit der Studie «Lokalisiert und identifiziert. Wie Ortungstechnologien unser Leben verändert» zeigt TA- SWISS die Vorteile des Einsatzes von Ortungstechnologien für Wirtschaft und Gesellschaft auf, analysiert mögliche ethische, juristische oder gesellschaftliche Probleme und gibt eine Reihe von Handlungsempfehlungen für den Umgang mit standortbezogenen Daten.

Immer mehr Alltagshandlungen hinterlassen Datenspuren, die darüber Auskunft geben, wo wir uns aufhalten und mit wem wir in Verbindung stehen. Ob wir mobil telefonieren, auf das Internet zugreifen, von einer Videokamera erfasst werden, ein Foto auf eine Internetplattform hochladen, mit einem Chip eine Tür öffnen oder bargeldlos bezahlen: Fast immer entstehen dabei Daten, die sich zu Bewegungsprofilen zusammenfügen lassen und Rückschlüsse auf unsere Lebenssituation erlauben. Neben der Satellitenortung durch GPS gibt es heute mehr als ein Dutzend Technologien, die indirekt die Ortung von Personen zulassen. Mit ihrer Ausbreitung gehen sowohl Chancen als auch Risiken für die Gesellschaft einher.

Wer kann, wer darf unter welchen Bedingungen Ortungsdaten erfassen, speichern, verarbeiten, weitergeben oder löschen? Welche Massnahmen können Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und der Gesetzgeber ergreifen, um dem Missbrauch von Ortungsdaten vorzubeugen und eine rechtsstaatliche, demokratische Nutzung der Ortungstechnologien zu fördern? Mit der interdisziplinären Studie «Lokalisiert und identifiziert. Wie Ortungstechnologien unser Leben verändern» will TA-SWISS die Öffentlichkeit sowie Entscheidungstragende in Politik und Verwaltung für die Problematik sensibilisieren und ihnen eine Reihe von Empfehlungen für den Umgang mit standortbezogenen Daten nahelegen.

Die wichtigsten Empfehlungen der TA-SWISS-Studie:

  •  Die Entscheidungstragenden in Politik und Verwaltung müssen sich dafür stark machen, dass datenschutzrechtliche Prinzipien im  internationalen Raum durchgesetzt werden können.
  •  In dem Mass, als die Organisation von Rettungsdiensten, Verkehrssystemen und anderen Handlungsfeldern der öffentlichen Hand auf Ortungssysteme aufbauen, müssen diese in das Schweizer Programm zum Schutz kritischer Infrastrukturen aufgenommen werden.
  • Zudem sind verlässliche und transparente Softwareprodukte zu zertifizieren, sodass der Datenschutz zu einem Qualitätsmerkmal der entsprechenden Angebote erhoben wird.
  • Ferner gilt es, eine eingeschränkte Aufbewahrungsdauer von Ortungsdaten gesetzlich festzuschreiben, damit die Betroffenen im Hinblick auf ihre personenbezogenen Ortungsdaten das Recht auf Vergessen durchsetzen können.
  • Es ist zusätzliche empirische sozialwissenschaftliche Forschungsarbeit vonnöten, um Wissenslücken im Umgang mit Ortungsdaten zu schliessen.
  • Die Kompetenz über elektronische Medien generell und besonders bei Jugendlichen ist zu verbessern, um diese für die Chancen und Risiken ihrer online gestellten Bewegungsprofile und Aufenthaltsorte zu sensibilisieren.

 

Weitere Informationen:

Studie
Lorenz Hilty, Britta Oertel, Michaela Wölk, Kurt Pärli. Lokalisiert und identifiziert. Wie Ortungstechnologien unser Leben verändern. TA-SWISS, Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (Hrsg.), vdf Hochschulverlag AG der ETH Zürich, 2012. ISBN 978-3-7281-3460-8. Kann im Open Access unter www.vdf.ethz.ch auch kostenlos als e-Book heruntergeladen werden.

Kurzfassung der Studie TA-SWISS (Hrsg.). Geographische Wegmarken in der Cyberwelt. Ortungstechnologien als Herausforderung für eine offene Gesellschaft. Bern 2012.

 Kurzfassung und weitere Informationen zu Projekt und Studie finden Sie auf
www.ta-swiss.ch/projekte/informationsgesellschaft/ortungstechnologien/

 Auskunft:  Christine D’Anna-Huber, Kommunikation TA-SWISS,  031 310 99 65, 7I+EnoWfmIWCicKIjYKCjayYjcGfm4Wfn8KPhA@nospam



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