Bern, 2. Februar 2010

Was Fachleute zum Internet der Zukunft sagen

Ein neuer Bericht von Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS

Das allgegenwärtige Netz bringt viele Vorteile. Im Gegenzug gerät die Privatsphäre ins wanken. Einschätzungen von Fachpersonen aus den Bereichen Soziologie, Ökonomie, Pädagogik und Zukunftsforschung zeigen auf, wo die grössten Veränderungen und Herausforderungen gesehen werden. Vom Internet kann auch die Schweiz profitieren.

Als «starkes Mittel der Selbstermächtigung» bezeichnet eine Fachperson das Internet. Denn «die Interpreten der Welt» brauche es heute nicht mehr. Wissen sei heute ohne Vermittlungsinstanz zugänglich. Verändert habe sich auch die Realität: Mit Internet schwinge als zweite Ebene auch immer Virtualität mit.

Dieses Nebeneinander könnte zunehmen, je mobiler Internet wird. So schätzen Fach-leute, dass Handys, aber auch andere Gegenstände ihre Internetfähigkeit weiter steigern werden. Die einen ordnen diese Entwicklung als Entlastung in einer immer schnelllebige-ren Zeit ein, die anderen befürchten, dass die Menschen zunehmend gläsern werden.

Doppelte Herausforderung Datenschutz

Technisch wäre es möglich, den Zugriff zu individuellen Daten so zu regeln, dass sie nur von ausgewählten Personen eingesehen werden können, so die Einschätzung verschiedener Experten. Doch verschiedene Fachleute äussern, dass es eine absolute Sicherheit nie geben würde. Besonders die ausgeklügelten statistischen Instrumente des «Data Mining» sollen gute Dienste leisten. Doch auch aus diesen statistisch ermittelten Daten seien Rückschlüsse auf Personen möglich, und zwar aufgrund von Datenspuren, die alle Internet-User hinterlassen. Vorgeschlagen wird deshalb ein Vorgehen, das ermögliche, dass die Privatsphäre gewahrt werde. Die Privatsphäre werde aber auch leichtfertig auf Spiel gesetzt, beklagen Experten. In sozialen Netzwerken würde beispielsweise Privates preisgegeben. Dies könne schnell kopiert oder verbreitet werden. Sie zu löschen sei faktisch unmöglich, auch wenn es vom Dateninhaber anders kommuniziert würde.

Die Schweiz und das Internet

Die Informatik-Infrastrukturen in der Schweiz sind gut ausgebaut. Das Bildungsniveau ist hoch. Entsprechend, so die Ansicht von Befragten, verfüge die Schweiz über gute Voraussetzungen, um vom Internet zu profitieren. Die Schweiz habe einen starken Dienstleistungssektor. Deshalb könne ihr das Web nützen. Hingegen sei die Schweiz etwas zu sehr in althergebrachten, industriellen Modellen verhaftet. Solche Wirtschaftskonzepte könnten möglicherweise innovative Entwicklungen auf dem Gebiet der Software verhindern. Dagegen sehen Experten im Web ein Medium, das aufgrund seines offenen Charakters gut zur demokratischen Tradition der Schweiz passt.

Zukunft des Internets kaum vorhersehbar

Die befragten 18 Fachpersonen aus den Bereichen Soziologie, Ökonomie, Pädagogik, Zukunftsforschung beurteilen die Entwicklungen unterschiedlich – von skeptisch,

euphorisch bis abwägend. Im 54-seitigen Bericht der Umfrage „Weiter knüpfen am Netz der Netze“ werden Entwicklungen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Freizeit, Politik und Verwaltung angesprochen sowie technische Entwicklungen, Sprachbilder und Schweiz-spezifisches thematisiert. Was Internet für gesellschaftliche Veränderungen nach sich zieht, können auch Expertinnen und Experten erst ansatzweise ermessen.

Publikationen

Bericht: Weiter knüpfen am Netz der Netze. Was Fachleute zum Internet der Zukunft sagen. Bericht im Rahmen des Projekts «Internet der Zukunft». TA-SWISS (Hrsg.), Bern 2009.

Zusammenfassung des Berichts. TA-SWISS (Hrsg.), Bern 2009.

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Medienmitteilung als pdf

Informationen zum Projekt

Bericht: Weiter knüpfen am Netz der Netze. Was Fachleute zum Internet der Zukunft sagen (2009)

Zusammenfassung des Berichts (2009)