TA 8/1995

Werkstoffinnovationen im schweizerischen Umfeld

Hofmann Margarethe, Meier-Dallach Hans-Peter, von Willisen Friedrich K.


Abstract

Wenn die Schweiz im internationalen Wettbewerb der Werkstoffproduzenten konkurrenzfähig bleiben will, müssen Industrie und Hochschulen enger zusammenarbeiten. Nur so wird es möglich, durch neue Entwicklungen eigene Kompetenzen aufzubauen und dadurch der Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland entgegenzuwirken. Dies eine der wichtigsten Folgerungen aus der TA-Studie "Werkstoffinnovationen im schweizerischen Umfeld".

Experten aus der Industrie verstehen unter einer Werkstoffinnovation nicht das Gleiche wie Fachleute aus der Forschung. Während die Industrie bei der Entwicklung neuer Werkstoffe vor allem auf die Forschungstätigkeit im eigenen Unternehmen setzt und und der nationalen Forschungsförderung eine untergeordnete Rolle zuweist, stützen sich Hochschulen in erster Linie auf staatliche Forschungsprojekte und bemängeln die ungenügende Unterstützung von Seiten der Industrie. Die Erwartungen an Forschungsprogramme fallen entsprechend unterschiedlich aus; die TA-ForscherInnen dokumentieren mit ihren Ergebnissen einen eigentlichen "Interessengegensatz zwischen Hochschule und Industrie". Einen anderen Gegensatz orten die Autoren mit Blick auf auf die Teilnahme an Forschungsprogrammen: Schweizer Betriebe nehmen zwar kaum an europäischen Verbundprojekten teil; allerdings schätzen Westschweizer Firmen europäische und nationale Forschungsprogramme höher ein als Deutschschweizer Betriebe

Eine Konzentration der Kräfte von Industrie und Hochschule ist dringend geboten: in einer weitgehend globalisierten Wirtschaft muss die Schweiz gegenüber traditionellen Werkstoffherstellern wie der USA und Japan bestehen können. Der harte Franken und die hohen Lohnkosten veranlassen zahlreiche Schweizer Firmen, ihre Absatzmärkte im Ausland gleichzeitig als Produktionsstätten zu nutzen. Um der mehrfachen Herausforderung von aussen gewachsen zu sein, muss die Schweiz ihre Kapazitäten für Synergien nutzen.

Vor diesem Hintergrund fordern die ForscherInnen eine bessere Koordination zwischen den verschiedenen Disziplinen der Werkstofforschung und einen besseren Informationsaustausch zwischen Industrie und Hochschschulen. Technologietransfer-Stellen zwischen Industrie und Hochschule müssten neu geschaffen und ausgebaut werden. Zudem sollten Werkstoffe vermehrt als integrales Konzept betrachtet werden, das auch die Umweltbilanz bei der Herstellung und Entsorgung miteinschliesst.